PV-Ertrag berechnen: Wie viel Strom bringt meine Anlage?

Bevor Sie eine Photovoltaikanlage kaufen, wollen Sie wissen, wie viel Strom sie tatsächlich liefert. Die kurze Antwort: In Deutschland erzeugt ein Kilowatt-Peak (kWp) Modulleistung je nach Standort, Ausrichtung und Neigung meist zwischen 850 und gut 1.000 Kilowattstunden pro Jahr. Wie Sie den Ertrag Ihrer eigenen Anlage abschätzen, welche Faktoren ihn mindern und wie viel davon Sie selbst nutzen können, lesen Sie hier.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Faustformel: Ertrag pro Jahr ≈ Anlagenleistung in kWp × spezifischer Ertrag in kWh/kWp.
  • Spezifischer Ertrag: laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz durchschnittlich 850 bis 1.000 kWh pro kWp, im Süden eher mehr, im Norden eher weniger.
  • Ausrichtung: Optimal ist Süd bei rund 30 Grad Neigung. Ost-West-Dächer bringen etwa 10 bis 20 Prozent weniger.
  • Kostenloser Rechner: Das EU-Tool PVGIS berechnet den Ertrag für Ihren Standort aus Wetterdaten.
  • Eigenverbrauch: ohne Speicher meist 20 bis 30 Prozent, mit Speicher etwa 50 bis 60 Prozent.

So berechnen Sie den PV-Ertrag

Die wichtigste Kennzahl ist der spezifische Ertrag: Er gibt an, wie viele Kilowattstunden eine Anlage pro installiertem kWp im Jahr erzeugt. Fachleute sprechen auch von Volllaststunden. Multipliziert mit der Anlagenleistung ergibt sich der Jahresertrag:

Jahresertrag (kWh) = Leistung (kWp) × spezifischer Ertrag (kWh/kWp)

Eine Anlage mit 8 kWp und 950 kWh/kWp erzeugt also rund 7.600 kWh im Jahr. Die Verbraucherzentrale rechnet in ihren Beispielen mit 900 bis 950 kWh/kWp – ein vorsichtiger Wert für eine gut ausgerichtete Anlage. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) nennt für eine neue, nach Süden ausgerichtete Anlage im deutschen Mittel rund 1.080 kWh/kWp, wenn nichts abgeregelt wird. Unter optimalen Bedingungen liegen die Werte in Süddeutschland höher als im Norden.

Standort: Wie viel Sonne kommt an?

Grundlage jedes Ertrags ist die Globalstrahlung, also die Sonnenenergie, die auf eine Fläche trifft. Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes, die das Fraunhofer ISE auswertet, lag sie im Mittel der Jahre 2001 bis 2020 bei 1.102 kWh pro m² und Jahr auf eine horizontale Fläche. Je nach Region weicht sie um etwa ±10 Prozent ab. Auf nach Süden geneigten Modulen kommt rund 15 Prozent mehr Strahlung an als auf der waagerechten Fläche.

Bundesland (Auswahl)Ertrag unter Idealbedingungen
Baden-Württemberg, Bayernca. 1.120 kWh/kWp
Rheinland-Pfalzca. 1.100 kWh/kWp
Hessenca. 1.080 kWh/kWp
Nordrhein-Westfalenca. 1.035 kWh/kWp
Niedersachsenca. 1.015 kWh/kWp
Hamburg, Schleswig-Holsteinca. 985 kWh/kWp
Nach co2online (Berechnung mit PVGIS, exakte Südausrichtung, 35° Neigung, 14 % Systemverluste). Reale Anlagen liegen meist darunter.

Die Tabelle zeigt Optimalwerte. Für die eigene Planung sollten Sie realistisch eher mit den 850 bis 1.000 kWh/kWp der Verbraucherzentrale rechnen und dann die Bedingungen Ihres Dachs berücksichtigen.

Ausrichtung und Neigung

Ein Süddach mit etwa 30 Grad Neigung gilt als ideal. Abweichungen kosten weniger Ertrag, als viele vermuten:

DachflächeErtrag im Vergleich zu Süd
Süd100 %
Südost / Südwestca. 90–95 %
Ost / Westca. 80–90 %
Nordost / Nordwestca. 65 %
Nordca. 55 %
Senkrechte Fassade (Süd)bis zu 50 % weniger
Nach Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz und co2online. Die Werte hängen zusätzlich von der Neigung ab.

Bei der Neigung ist der Spielraum groß: Laut Verbraucherzentrale kann der Ertrag erst unter etwa 25 Grad oder bei sehr steilen Dächern um bis zu 10 Prozent sinken. Ost-West-Anlagen haben zudem einen Vorteil: Sie verteilen die Erzeugung über den Tag, liefern morgens und abends mehr Strom und passen damit oft besser zum Verbrauch im Haushalt. Bei den Kosten einer PV-Anlage spielt die Ausrichtung deshalb weniger eine Rolle, als die reine Ertragszahl vermuten lässt.

Was den Ertrag zusätzlich mindert

  • Verschattung: Nachbargebäude oder Bäume, die das ganze Jahr Schatten werfen, kosten nach Angaben der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz 3 bis 10 Prozent. Schon schmale Schatten von Kabeln oder Antennen können überproportional wirken. Zu Gauben und Erkern sollte etwa eine Modulbreite Abstand bleiben.
  • Wärme: Module verlieren bei hohen Temperaturen Leistung. Ein typischer Temperaturkoeffizient liegt bei höchstens −0,5 Prozent pro Grad, gute Module erreichen −0,4 Prozent oder besser. Hinterlüftung hilft.
  • Systemverluste: Wechselrichter, Kabel, Verschmutzung und Schnee summieren sich. Der Rechner PVGIS setzt standardmäßig 14 Prozent an; insgesamt können die Verluste laut Verbraucherzentrale bis zu 25 Prozent erreichen.
  • Alterung: Hersteller garantieren meist, dass Module nach 25 bis 30 Jahren noch 85 bis 90 Prozent ihrer Leistung haben. Eine vom Fraunhofer ISE zitierte Untersuchung von 44 Dachanlagen ergab im Mittel nur etwa 0,15 Prozent Leistungsverlust pro Jahr.
  • Begrenzte Einspeisung: Neue Anlagen ohne Smart Meter mit Steuerbox dürfen nur 60 Prozent ihrer Modulleistung einspeisen. An sonnigen Mittagen kann dadurch etwas Ertrag verloren gehen, wenn Sie den Strom nicht selbst verbrauchen oder speichern (Details unter Einspeisevergütung).

Kostenlos rechnen mit PVGIS

Genauer als jede Faustformel ist das Photovoltaic Geographical Information System (PVGIS) der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission. Das Tool ist kostenlos, ohne Registrierung nutzbar und auf Deutsch verfügbar. So gehen Sie vor:

  1. Adresse eingeben oder den Standort auf der Karte anklicken.
  2. „Netzgekoppelte PV-Anlage“ wählen und die Leistung in kWp eintragen.
  3. Neigung und Azimut (Ausrichtung) angeben. Im Tool steht 0° für Süd, −90° für Ost und 90° für West.
  4. Systemverluste bei 14 Prozent belassen, wenn Sie keine genaueren Werte haben.
  5. Ergebnis ablesen: Jahresertrag und Ertrag pro Monat.

PVGIS berücksichtigt den Horizont, also Berge und Hügel, aber keine Verschattung durch nahe Bäume oder Nachbarhäuser. Diese müssen Sie selbst abziehen. Für Ost-West-Dächer rechnen Sie beide Dachhälften getrennt und addieren die Ergebnisse.

Wie viel Strom nutzen Sie selbst?

Für die Wirtschaftlichkeit ist nicht nur der Ertrag entscheidend, sondern auch, wie viel davon im Haus verbraucht wird. Selbst genutzter Solarstrom ersetzt teuren Netzstrom, eingespeister Strom bringt nur die Einspeisevergütung. Nach Untersuchungen der HTW Berlin gilt als Orientierung: Bei 1 kWp Leistung pro 1.000 kWh Jahresverbrauch liegen Eigenverbrauch und Autarkie jeweils bei etwa 30 Prozent. Ein Batteriespeicher mit 1 kWh pro 1.000 kWh Verbrauch hebt den Eigenverbrauch auf rund 60 und die Autarkie auf rund 55 Prozent. Größere Speicher bringen nur noch wenig zusätzlich (siehe Stromspeicher: Kosten und Größe).

Einen schnellen Überblick für Ihren Haushalt liefert der kostenlose Unabhängigkeitsrechner der HTW Berlin: Sie geben Jahresverbrauch, PV-Leistung und Speichergröße ein und sehen Autarkie und Eigenverbrauch.

Rechenbeispiel

Beispiel (angenommene Werte)ohne Speichermit 6-kWh-Speicher
Anlage 6 kWp, Süd, 950 kWh/kWp5.700 kWh/Jahr5.700 kWh/Jahr
Eigenverbrauch (angenommen 30 % / 60 %)1.710 kWh3.420 kWh
eingesparter Netzstrom à 37 ct/kWhca. 633 €ca. 1.265 €
Einspeisung à 7,70 ct/kWh3.990 kWh → ca. 307 €2.280 kWh → ca. 176 €
Nutzen pro Jahrca. 940 €ca. 1.440 €
Haushalt mit 5.000 kWh Jahresverbrauch. Strompreis 37 ct/kWh (BDEW, Durchschnitt April 2026), Einspeisevergütung für Teileinspeisung bis 10 kWp bei Inbetriebnahme August bis Dezember 2026. Die Speicherkosten sind nicht abgezogen.

Läge dieselbe Anlage auf einem Ost-West-Dach, würde sie mit einem Faktor von etwa 0,8 rund 4.560 kWh erzeugen. Weil der Strom dort über den Tag verteilter anfällt, sinkt der Eigenverbrauch aber meist weniger stark als der Gesamtertrag. Ob sich der Speicher trotz seines Mehrnutzens lohnt, hängt von seinem Preis und seiner Lebensdauer ab.

Typische Fehler bei der Ertragsschätzung

  • Mit Idealwerten von 1.100 kWh/kWp und mehr rechnen, obwohl das Dach nicht optimal ausgerichtet oder teilweise verschattet ist.
  • Den gesamten Ertrag mit dem Strompreis bewerten – obwohl ohne Speicher meist nur ein Viertel bis ein Drittel selbst verbraucht wird.
  • Den Rückgang durch Alterung über 20 Jahre vergessen oder umgekehrt stark überschätzen.
  • Schwankungen zwischen den Jahren ignorieren: Ein sonniges Jahr kann deutlich mehr bringen als ein trübes.
  • Angebote nicht vergleichen: Seriöse Anbieter legen eine Ertragsprognose mit nachvollziehbaren Annahmen vor. Prüfen Sie diese mit PVGIS gegen.

Auch ein kleines Steckersolargerät lässt sich nach demselben Prinzip abschätzen – mehr dazu im Ratgeber Balkonkraftwerk.

Häufige Fragen

Wie viel Strom erzeugt eine 10-kWp-Anlage pro Jahr?

Mit den Richtwerten der Verbraucherzentrale von 850 bis 1.000 kWh pro kWp sind es etwa 8.500 bis 10.000 kWh im Jahr. Bei sehr guter Lage in Süddeutschland kann es mehr sein, bei Ost-West-Ausrichtung oder Verschattung weniger.

In welchen Monaten erzeugt eine PV-Anlage am meisten?

Der Großteil des Ertrags fällt von April bis September an, im Winter ist er gering. Die Monatswerte für Ihren Standort zeigt PVGIS. Für den Heizbedarf im Winter, etwa für eine Wärmepumpe, deckt Solarstrom daher nur einen kleinen Teil.

Wie kann ich prüfen, ob meine Anlage den erwarteten Ertrag bringt?

Notieren Sie einmal im Jahr den Zählerstand des Wechselrichters oder lesen Sie die Werte in der App aus. Vergleichen Sie den Jahresertrag mit Ihrer Prognose. Weicht er über mehrere Jahre deutlich nach unten ab, sollte ein Fachbetrieb Module, Verkabelung und Wechselrichter prüfen.

Muss ich die Module reinigen?

Bei geneigten Dächern reinigt der Regen die Module in der Regel ausreichend. Verschmutzung ist in den Standardverlusten von Rechnern wie PVGIS bereits enthalten. Bei flach montierten Modulen oder starker Verschmutzung, etwa durch Laub oder Landwirtschaft, kann eine Reinigung sinnvoll sein.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Alle Werte sind Richtwerte; der tatsächliche Ertrag hängt von Standort, Wetter und Anlage ab. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Planung durch einen Fachbetrieb.