Solarstrom vom eigenen Dach ins Elektroauto zu laden, ist die günstigste Art, elektrisch zu fahren: Jede Kilowattstunde, die Sie selbst nutzen statt einzuspeisen, spart heute rund 29 Cent. Damit das klappt, müssen Wallbox, PV-Anlage und Auto zusammenspielen. Was Sie für das sogenannte Überschussladen brauchen, wie viel es bringt und wo die Grenzen liegen, lesen Sie hier.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Vorteil: Eingespeister Strom bringt 7,70 ct/kWh, Netzstrom kostet rund 37 ct/kWh – jede selbst geladene kWh spart also etwa 29 Cent.
- Überschussladen: Die Wallbox lädt nur mit dem Strom, der gerade übrig ist, und passt die Ladeleistung laufend an.
- Mindestleistung: Autos laden meist erst ab 6 Ampere – das sind etwa 1,4 kW einphasig oder 4,1 kW dreiphasig.
- Phasenumschaltung hilft, auch bei wenig Sonne zu laden.
- Grenze: Im Winter und bei Fahrten tagsüber reicht der Solarstrom oft nicht.
Warum sich PV-Laden lohnt
Für Strom, den eine neue PV-Anlage bis 10 kWp ins Netz einspeist, gibt es 7,70 Cent pro Kilowattstunde (Inbetriebnahme August bis Dezember 2026). Netzstrom kostet Haushalte im Schnitt rund 37 Cent. Laden Sie Ihr Auto mit dem eigenen Solarstrom, sparen Sie die Differenz von etwa 29 Cent pro kWh.
| Beispiel (angenommene Werte) | Wert |
|---|---|
| Fahrleistung | 12.000 km pro Jahr |
| Verbrauch inkl. Ladeverlusten | 19 kWh/100 km → 2.280 kWh pro Jahr |
| davon mit PV-Überschuss geladen (angenommen 40 %) | 912 kWh |
| Ersparnis gegenüber Netzstrom (37 − 7,7 ct) | rund 267 € pro Jahr |
Wie hoch der Solaranteil wird, hängt vor allem von den Standzeiten ab: Ein Zweitwagen oder ein Auto im Homeoffice-Haushalt steht mittags oft zu Hause, ein Pendlerauto dagegen kaum. Was das Laden insgesamt kostet, zeigt der Artikel E-Auto Stromkosten pro 100 km.
So funktioniert Überschussladen
Ein Energiemanagement – in der Wallbox, im Wechselrichter oder als separate Software – misst am Netzanschlusspunkt, wie viel Strom gerade ins Netz fließen würde. Diese Leistung gibt es an die Wallbox weiter, die das Auto entsprechend lädt. Zieht eine Wolke auf oder läuft die Waschmaschine, sinkt die Ladeleistung automatisch.
Die Hürde: die Mindestladeleistung
Elektroautos laden in der Regel mit mindestens 6 Ampere pro Phase. Daraus ergibt sich eine Mindestleistung:
| Ladeart | Mindestleistung (6 A) | Höchstleistung (16 A) |
|---|---|---|
| einphasig (230 V) | ca. 1,4 kW | ca. 3,7 kW |
| dreiphasig (3 × 230 V) | ca. 4,1 kW | ca. 11 kW |
Ohne Umschaltung braucht eine dreiphasige Wallbox also mindestens rund 4,1 kW Überschuss – bei einer 8-kWp-Anlage an trüben Tagen oder im Winter oft zu viel. Wallboxen mit automatischer Phasenumschaltung wechseln bei wenig Sonne auf einphasiges Laden und können so schon ab etwa 1,4 kW Überschuss laden. Fällt der Überschuss darunter, pausiert die Ladung oder bezieht den Rest aus dem Netz – je nach Einstellung.
Was Sie brauchen
- PV-Anlage: Je größer, desto öfter reicht der Überschuss. Wer ein E-Auto plant, sollte die Anlage eher größer dimensionieren (siehe Photovoltaik Kosten).
- Wallbox mit PV-Überschussfunktion: idealerweise mit Phasenumschaltung und Schnittstelle zum Wechselrichter oder Energiemanager (siehe Wallbox Kosten).
- Messung am Netzanschluss: ein Energiezähler oder Smart-Meter-Signal, das den aktuellen Überschuss liefert.
- Ladeeinstellungen: Modi wie „nur PV“, „PV + Mindestladung“ und „Schnellladen“ für Tage, an denen das Auto voll sein muss.
Ladeverluste: Wallbox schlägt Steckdose
Beim Laden geht ein Teil der Energie als Wärme verloren. Bei Messungen des ADAC im August 2026 mit fünf Fahrzeugen lagen die Verluste an der Wallbox mit voller Leistung (11 oder 22 kW) unter 7 Prozent, bei gedrosselten 4,2 kW – typisch für PV-Überschussladen – zwischen 8 und knapp 13 Prozent. An der Haushaltssteckdose waren sie am höchsten, im ungünstigsten Fall über 24 Prozent. Auch beim Solarladen ist eine Wallbox deshalb die bessere Wahl als die Steckdose.
PV-Laden mit Speicher, dynamischem Tarif und § 14a
- Batteriespeicher: Ein üblicher Hausspeicher ist für den Haushaltsbedarf am Abend ausgelegt. Das Auto damit zu laden, leert ihn schnell und bringt meist wenig. Stellen Sie ein, dass die Wallbox nicht aus dem Speicher lädt (siehe Stromspeicher).
- Dynamischer Stromtarif: Im Winter, wenn der Solarstrom nicht reicht, kann ein dynamischer Tarif das Laden in günstigen Nachtstunden ermöglichen (siehe Dynamischer Stromtarif).
- § 14a EnWG: Wallboxen über 4,2 kW gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Sie erhalten ein reduziertes Netzentgelt, der Netzbetreiber darf die Leistung im Engpass vorübergehend begrenzen.
- 60-Prozent-Grenze: Neue PV-Anlagen ohne Smart Meter und Steuerbox dürfen höchstens 60 Prozent ihrer Leistung einspeisen. Strom, den das Auto mittags lädt, wird nicht abgeregelt – Überschussladen hilft also, Ertragsverluste zu vermeiden.
Häufige Fehler
- Eine Wallbox ohne PV-Schnittstelle kaufen und später nachrüsten müssen.
- Den PV-Anteil überschätzen: Im Dezember liefert eine Anlage nur einen Bruchteil des Juni-Ertrags.
- Das Auto immer auf 100 Prozent laden: Viele Hersteller empfehlen für den Alltag einen niedrigeren Ladestand. Prüfen Sie die Angaben Ihres Herstellers.
- Die Wallbox nicht beim Netzbetreiber melden – das ist vor der Inbetriebnahme Pflicht, über 12 kVA braucht es eine Zustimmung.
Häufige Fragen
Kann ich mit einem Balkonkraftwerk mein E-Auto laden?
Praktisch kaum. Ein Balkonkraftwerk speist höchstens 800 Watt ein – weniger als die Mindestladeleistung eines Autos. Der Strom deckt eher die Grundlast im Haushalt (siehe Balkonkraftwerk).
Wie groß sollte die PV-Anlage für ein E-Auto sein?
Eine pauschale Größe gibt es nicht. Wichtig ist, dass an sonnigen Tagen deutlich mehr als 1,4 bzw. 4,1 kW Überschuss übrig bleiben, nachdem der Haushalt versorgt ist. Viele Einfamilienhäuser mit E-Auto wählen deshalb Anlagen im Bereich ab etwa 10 kWp, soweit die Dachfläche es zulässt.
Kann das Auto den Strom zurück ins Haus liefern?
Bidirektionales Laden ist technisch bei einigen Fahrzeugen möglich, braucht aber eine passende Wallbox und ist in Deutschland noch nicht verbreitet. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Auto und Wallbox das unterstützen.
Quellen
- ADAC: Ladetarife für Elektroautos
- ecomento: ADAC untersucht Ladeverluste (August 2026)
- Bundesnetzagentur: EEG-Fördersätze
- Bundesnetzagentur: Regeln für steuerbare Verbrauchseinrichtungen (§ 14a EnWG)
Stand: Oktober 2026. Rechenbeispiele beruhen auf Annahmen. Dieser Artikel ersetzt keine Fachplanung durch einen Elektrofachbetrieb.