Stromfresser im Haushalt finden: So messen Sie Grundlast und Geräte

Ihre Stromrechnung ist höher als erwartet, aber Sie wissen nicht, warum? Meist stecken wenige Geräte dahinter: ein alter Kühlschrank, eine ungeregelte Heizungspumpe, Geräte im Dauer-Standby. Mit einem einfachen Strommessgerät und dem Stromzähler finden Sie die größten Verbraucher in wenigen Tagen. Wie Sie dabei vorgehen und was sich wirklich lohnt, lesen Sie hier.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Faustregel: Jedes Watt, das rund um die Uhr läuft, kostet bei 37 ct/kWh etwa 3,24 Euro pro Jahr.
  • Grundlast messen: Zählerstand nachts ablesen, wenn alles „aus“ ist – das zeigt den Dauerverbrauch.
  • Strommessgerät: zwischen Steckdose und Gerät stecken; bei vielen Verbraucherzentralen kostenlos ausleihbar.
  • Typische Stromfresser: alte Kühl- und Gefriergeräte, ungeregelte Heizungspumpen, Wäschetrockner, elektrische Heizlüfter, Durchlauferhitzer, Standby.
  • Erst messen, dann tauschen: Ein Neugerät lohnt sich nur, wenn das alte wirklich viel verbraucht.

Schritt 1: Ist Ihr Verbrauch überhaupt hoch?

Vergleichen Sie Ihren Jahresverbrauch zuerst mit Haushalten ähnlicher Größe. Ein Zwei-Personen-Haushalt im Mehrfamilienhaus verbraucht deutlich weniger als einer im Einfamilienhaus, und ein elektrischer Durchlauferhitzer für das Warmwasser erhöht den Verbrauch stark. Die Vergleichswerte nach Haushaltsgröße finden Sie unter Durchschnittlicher Stromverbrauch im Haushalt. Liegen Sie deutlich über dem Durchschnitt, lohnt sich die Suche besonders.

Schritt 2: Die Grundlast am Zähler messen

Die Grundlast ist der Strom, den Ihr Haushalt ständig zieht – auch wenn niemand etwas benutzt: Kühlschrank, Router, Standby-Geräte, Heizungspumpe. So messen Sie sie:

  1. Abends, wenn alle Lichter und aktiv genutzten Geräte aus sind, den Zählerstand notieren (Uhrzeit dazu).
  2. Morgens vor dem ersten Kaffee erneut ablesen.
  3. Differenz in kWh durch die Stunden teilen und mit 1.000 multiplizieren – das ist die durchschnittliche Grundlast in Watt.

Beispiel: 0,9 kWh in 9 Stunden ergeben 100 Watt Grundlast. Über das Jahr sind das 876 kWh oder rund 324 Euro. Viele digitale Zähler zeigen die aktuelle Leistung auch direkt an; mit einem intelligenten Messsystem sehen Sie den Verlauf sogar in Viertelstundenwerten (siehe Smart Meter).

Kühl- und Gefriergeräte laufen in Intervallen; die nächtliche Messung erfasst sie deshalb im Durchschnitt mit. Eine hohe Grundlast ist der häufigste versteckte Kostenfaktor.

Schritt 3: Einzelne Geräte mit dem Strommessgerät prüfen

Ein Strommessgerät (auch Energiekostenmessgerät) wird zwischen Steckdose und Gerät gesteckt und zeigt Leistung und Verbrauch an. Einfache Geräte kosten im Handel wenig; viele Verbraucherzentralen verleihen sie kostenlos, teilweise auch Stadtbibliotheken. So gehen Sie vor:

  • Kühl- und Gefriergeräte: mindestens 24 Stunden messen, besser eine Woche, und auf das Jahr hochrechnen.
  • Standby: Gerät ausschalten (nicht vom Strom trennen) und die Leistung ablesen. Messen Sie auch Fernseher mit Receiver, Spielkonsole, Soundanlage, Drucker und Kaffeevollautomat.
  • Gerätegruppen: An einer Mehrfachsteckdose messen Sie z. B. die gesamte Fernsehecke auf einmal.
  • Programme: Bei Wasch- und Spülmaschine einen kompletten Durchlauf messen – Eco-Programm und Kurzprogramm im Vergleich.

Fest angeschlossene Geräte wie Heizungspumpe, Durchlauferhitzer oder Herd lassen sich so nicht messen. Hier helfen die Angaben auf dem Typenschild, die Anzeige am Zähler (alle anderen Verbraucher aus) oder eine Fachkraft.

Die typischen Stromfresser

GerätWarum teuer?Was hilft
Alter Kühlschrank, Gefriertruheläuft rund um die Uhr, alte Geräte brauchen ein Vielfaches modernermessen; 7 °C im Kühlschrank, −18 °C im Gefrierfach; abtauen; ggf. ersetzen
Ungeregelte Heizungspumpeläuft in der Heizperiode dauerhaft mit voller Leistunggegen Hocheffizienzpumpe tauschen lassen
Wäschetrocknerhoher Verbrauch pro Durchgang, vor allem AblufttrocknerWäsche an der Luft trocknen, Wärmepumpentrockner
Heizlüfter, Radiatoren2 kW sind schnell erreichtnur kurz nutzen, nicht als Dauerheizung
Elektrischer Durchlauferhitzer, BoilerWarmwasser ist energieintensivSparduschkopf, kürzer duschen, Temperatur prüfen
Standby-Gerätewenige Watt, aber 8.760 Stunden im Jahrschaltbare Steckdosenleiste
Alte Glüh- und HalogenlampenLED brauchen bis zu 90 % wenigerauf LED umstellen
Nach Verbraucherzentrale Hamburg und Umweltbundesamt, Stand Oktober 2026

Besonders lohnend: die Heizungspumpe

Im Einfamilienhaus kann eine alte, ungeregelte Umwälzpumpe nach Angaben des Umweltbundesamts über 200 kWh Strom im Jahr verbrauchen, eine moderne Hocheffizienzpumpe rund 40 kWh. Bei 37 ct/kWh sind das etwa 74 Euro gegenüber 15 Euro. Der Tausch gehört zur Heizungsoptimierung, die das BAFA mit 15 Prozent fördert (Mindestinvestition 300 Euro, Heizung älter als zwei Jahre). Mehr Spartipps für die Heizung: Heizkosten sparen.

Lohnt sich ein neues Gerät?

Rechnen Sie mit Ihren Messwerten: Ersparnis pro Jahr = (alter Verbrauch − neuer Verbrauch laut Energielabel) × Strompreis. Teilen Sie den Kaufpreis durch diese Ersparnis, erhalten Sie die Amortisationszeit.

Beispiel Kühl-Gefrier-Kombination (angenommene Werte)Wert
Altgerät, gemessen450 kWh/Jahr
Neugerät laut Label160 kWh/Jahr
Ersparnis bei 37 ct/kWhrund 107 € pro Jahr
Neugerät für 700 €Amortisation nach etwa 6,5 Jahren
Beispielrechnung mit angenommenen Werten

Ein funktionierendes Gerät nur wegen einer kleinen Ersparnis zu ersetzen, lohnt sich finanziell und ökologisch meist nicht – die Herstellung kostet ebenfalls Energie. Steht ohnehin ein Neukauf an, achten Sie auf das Energielabel und die Angabe in kWh pro Jahr.

Häufige Fehler bei der Suche

  • Kühlschrank nur wenige Minuten messen – die Werte schwanken stark mit den Kühlintervallen.
  • Router und Netzwerkgeräte vom Netz nehmen, die Sie eigentlich brauchen – sparen Sie lieber bei Geräten, die wirklich ungenutzt sind.
  • Wärmepumpe oder Wallbox in den Haushaltsverbrauch einrechnen, obwohl sie über einen eigenen Zähler laufen (siehe Wärmepumpenstrom).
  • Den Tarif vergessen: Auch der Wechsel in einen günstigeren Stromtarif senkt die Kosten.

Häufige Fragen

Wie genau sind günstige Strommessgeräte?

Für die Suche nach Stromfressern reichen sie meist aus. Bei sehr kleinen Standby-Leistungen unter einem Watt messen einfache Geräte oft ungenau – für die Entscheidung ist das aber selten relevant.

Wie viel kostet Standby im Jahr?

Das hängt von den Geräten ab. Rechnen Sie selbst: Standby-Leistung in Watt × 8,76 = kWh pro Jahr. Ein Gerät mit 5 Watt Standby verbraucht also rund 44 kWh oder etwa 16 Euro im Jahr.

Wo bekomme ich kostenlose Beratung?

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale bietet unter anderem Stromspar-Checks und Beratungen an, teils kostenlos oder gegen geringe Gebühr. Informationen gibt es unter verbraucherzentrale-energieberatung.de.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Berechnungen mit einem Strompreis von 37 ct/kWh (BDEW-Durchschnitt für Haushalte). Ihre Kosten hängen von Ihrem Tarif ab.