Heizen ist in den meisten Haushalten der größte Energieposten – deutlich größer als der Stromverbrauch. Die gute Nachricht: Viele Maßnahmen kosten wenig oder gar nichts und brauchen keinen Umbau. Richtig eingestellte Temperaturen, richtiges Lüften und eine optimierte Heizungsanlage senken den Verbrauch oft um zweistellige Prozentwerte. Die wirksamsten Tipps für Mieter und Eigentümer lesen Sie hier.
Das Wichtigste auf einen Blick
- 1 Grad weniger spart laut Verbraucherzentrale rund 6 % Heizenergie.
- Richtwerte: Wohnbereich höchstens etwa 20 °C, Küche 18 °C, Schlafzimmer 17 °C (Umweltbundesamt).
- Stoßlüften statt Kippfenster: im Winter 5 bis 10 Minuten, Heizung dabei aus.
- Absenken nachts und bei Abwesenheit, z. B. mit programmierbaren Thermostaten – laut UBA rund 10 % Ersparnis.
- Heizung optimieren: hydraulischer Abgleich, Heizkurve, Hocheffizienzpumpe – BAFA-Zuschuss 15 %.
1. Die richtige Raumtemperatur
Der wirksamste Hebel ist die Temperatur selbst. Als Faustregel nennt die Verbraucherzentrale: Ein Grad weniger senkt den Verbrauch um etwa sechs Prozent. Der Grund: Die Wärmeverluste hängen vom Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur ab – schon kleine Änderungen wirken sich deutlich aus.
| Raum | Empfehlung |
|---|---|
| Wohnbereich | möglichst nicht mehr als 20 °C |
| Küche | 18 °C |
| Schlafzimmer | 17 °C |
| Nachts und bei mehrstündiger Abwesenheit | etwa 18 °C |
| Abwesenheit über mehrere Tage | etwa 15 °C |
Nutzen Sie ein Thermometer, statt nach Gefühl zu heizen. Die Ziffern am Thermostatventil stehen für Zieltemperaturen, nicht für die Heizgeschwindigkeit: Stufe 3 entspricht meist etwa 20 °C. Ganz aufdrehen heizt den Raum nicht schneller auf, sondern nur über das Ziel hinaus. Lassen Sie wenig genutzte Räume nicht zu stark auskühlen, damit sich an kalten Wänden keine Feuchtigkeit niederschlägt; die Verbraucherzentrale rät, nicht unter 16 °C zu gehen.
2. Richtig lüften
- Stoßlüften: Fenster mehrmals täglich ganz öffnen, im Winter reichen 5 bis 10 Minuten. Drehen Sie die Thermostate währenddessen herunter.
- Querlüften: Gegenüberliegende Fenster gleichzeitig öffnen – so tauscht sich die Luft am schnellsten aus.
- Kein Dauer-Kippfenster: Es kühlt die Wände aus, verschwendet Heizenergie und lüftet trotzdem schlecht.
- Luftfeuchtigkeit im Blick: Ein Hygrometer zeigt, wann gelüftet werden muss. In schlecht gedämmten Wohnungen sollte die relative Luftfeuchte im Winter möglichst unter 50 % bleiben.
3. Wärme im Raum halten
- Heizkörper frei lassen: Keine Möbel, Vorhänge oder Verkleidungen vor Heizkörpern und Thermostatventilen.
- Rollläden und Vorhänge nachts schließen: Das verringert die Wärmeabgabe über die Fenster.
- Türen zu kühleren Räumen schließen.
- Undichte Fenster und Türen abdichten: Dichtungsbänder aus dem Baumarkt sind eine schnelle Lösung.
- Heizkörper entlüften: Gluckert es oder wird der Heizkörper oben nicht warm, ist Luft im System.
4. Smarte und programmierbare Thermostate
Programmierbare Thermostate senken die Temperatur automatisch nachts und während Sie außer Haus sind. Das Umweltbundesamt beziffert die Ersparnis auf rund 10 Prozent. Am meisten bringen sie, wenn Ihre Anwesenheit unregelmäßig ist oder Sie bisher selten manuell absenken. Bei gut gedämmten Häusern und Fußbodenheizungen fällt der Effekt kleiner aus, weil diese träger reagieren. Bei Wärmepumpen sind starke Absenkungen oft kontraproduktiv – hier ist eine gleichmäßige, niedrige Vorlauftemperatur meist effizienter.
5. Die Heizungsanlage optimieren (für Eigentümer)
Viele Heizungen laufen mit Werkseinstellungen, die nicht zum Haus passen. Eine Fachkraft kann mit überschaubarem Aufwand viel herausholen:
- Hydraulischer Abgleich: Jeder Heizkörper bekommt genau so viel Heizwasser, wie er braucht. Dadurch werden alle Räume gleichmäßig warm, und die Vorlauftemperatur kann sinken.
- Heizkurve anpassen: Eine zu hoch eingestellte Heizkurve kostet ständig Energie.
- Hocheffizienzpumpe: Eine alte, ungeregelte Umwälzpumpe kann laut Umweltbundesamt über 200 kWh Strom im Jahr verbrauchen, eine moderne rund 40 kWh (siehe Stromfresser finden).
- Rohre dämmen: Ungedämmte Heizungs- und Warmwasserrohre in unbeheizten Kellern verlieren Wärme.
- Warmwassertemperatur prüfen: zu hoch kostet Energie, zu niedrig kann bei Speichern hygienische Probleme verursachen – lassen Sie sich beraten.
Das BAFA fördert diese Heizungsoptimierung mit 15 Prozent der Kosten. Voraussetzungen sind unter anderem: Gebäude mit höchstens fünf Wohneinheiten, Heizung älter als zwei Jahre, bei fossilen Heizungen nicht älter als 20 Jahre, Mindestinvestition 300 Euro, Einbindung eines Fachunternehmens oder einer Energieeffizienz-Expertin.
6. Was Mieter tun können
Als Mieter bestimmen Sie über Ihre Heizkosten vor allem durch Temperatur und Lüften. Programmierbare Heizkörperthermostate lassen sich meist ohne Werkzeug tauschen – heben Sie die alten Köpfe auf und bauen Sie sie beim Auszug wieder ein. Werden Räume trotz voll aufgedrehter Thermostate nicht warm oder sind die Heizkosten auffällig hoch, sprechen Sie Ihren Vermieter auf einen hydraulischen Abgleich oder eine Heizungsprüfung an.
Was bringt das in Euro?
| Beispiel: Heizkosten 2.000 € pro Jahr (angenommen) | Ersparnis |
|---|---|
| Raumtemperatur um 1 °C senken (ca. 6 %) | ca. 120 € pro Jahr |
| Raumtemperatur um 2 °C senken | ca. 230 € pro Jahr |
| Programmierbare Thermostate (ca. 10 %, nicht voll mit dem Absenken kombinierbar) | ca. 200 € pro Jahr |
Langfristig senken nur bauliche Maßnahmen den Verbrauch dauerhaft stark – etwa die Dämmung von Dach oder Kellerdecke oder ein Heizungstausch.
Häufige Fragen
Ist es günstiger, die Heizung tagsüber auszuschalten?
Absenken ja, ganz ausschalten meist nicht. Kühlen Räume stark aus, braucht das Wiederaufheizen viel Energie, und die Wände werden kalt – das erhöht das Schimmelrisiko.
Lohnt sich ein Heizlüfter statt der Zentralheizung?
In der Regel nein. Strom ist pro Kilowattstunde deutlich teurer als Gas oder Wärme aus einer Wärmepumpe. Heizlüfter eignen sich höchstens für kurze Zeit in einem einzelnen Raum.
Wie erkenne ich, ob ein hydraulischer Abgleich nötig ist?
Typische Anzeichen sind ungleich warme Heizkörper, Fließgeräusche und Räume, die nur bei hoher Thermostatstufe warm werden. Fragen Sie Ihren Heizungsbetrieb, ob ein Abgleich dokumentiert ist.
Quellen
- Umweltbundesamt: Heizen und Raumtemperatur
- Verbraucherzentrale: 10 einfache Tipps zum Heizkosten sparen
- Energieberatung der Verbraucherzentrale: Heizen
- Umweltbundesamt: Heizungsumwälzpumpe
- BAFA: Heizungsoptimierung
Stand: Oktober 2026. Einsparungen sind Richtwerte und hängen von Gebäude, Heizung und Nutzerverhalten ab.