Wärmepumpe und Photovoltaik kombinieren: Was der Solarstrom wirklich bringt

Eine Wärmepumpe und eine Photovoltaikanlage passen gut zusammen: Die Wärmepumpe erhöht den Eigenverbrauch des Solarstroms, und jede selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt teuren Netzstrom. Die Erwartungen sollten aber realistisch bleiben. Weil die Wärmepumpe vor allem im Winter läuft, wenn die Sonne wenig liefert, deckt eine PV-Anlage ohne Speicher laut Verbraucherzentrale nur etwa 20 bis 30 Prozent des gesamten Strombedarfs von Haushalt und Wärmepumpe.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Realistische Deckung: ohne Batterie etwa 20 bis 30 % des Jahresstrombedarfs für Haushalt und Wärmepumpe, mit Batterie bis zu etwa 40 % (Verbraucherzentrale).
  • Winterlücke: In den Heizmonaten kommt fast der gesamte Heizstrom aus dem Netz – das löst auch ein Batteriespeicher nicht.
  • Zwei Zähler und PV: Wer einen günstigen Wärmepumpentarif und Solarstrom gleichzeitig nutzen will, braucht meist eine Kaskadenschaltung.
  • Steuerung: Über SG-Ready oder ein Energiemanagement kann die Wärmepumpe Solarüberschüsse in Warmwasser- oder Pufferspeicher verschieben.
  • Förderung: Die Wärmepumpe wird über KfW 458 bezuschusst, PV-Anlage und Batteriespeicher nicht (aber 0 % Mehrwertsteuer, KfW-Kredit 270).

Wie viel Wärmepumpenstrom kann die PV-Anlage liefern?

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale nennt für Einfamilienhäuser einen Anteil von etwa 20 bis 30 Prozent des Jahresstrombedarfs für Haushalts- und Wärmepumpenstrom, der ohne Batteriespeicher mit Solarstrom gedeckt werden kann. Mit Batterie sind bis zu etwa 40 Prozent möglich. In sehr gut gedämmten Häusern kann der Anteil höher liegen.

Der Grund ist das jahreszeitliche Ungleichgewicht: Eine PV-Anlage erzeugt den Großteil ihres Stroms von April bis September, die Wärmepumpe braucht ihn überwiegend von November bis Februar. Die Verbraucherzentrale Hamburg weist darauf hin, dass dieses Sommer-Winter-Dilemma auch ein Batteriespeicher nicht lösen kann – er verschiebt Strom nur über Stunden, nicht über Monate. Im Sommer nutzt die Wärmepumpe Solarstrom vor allem für das Warmwasser, in der Übergangszeit auch für die Heizung.

Eigenverbrauch steigt, Autarkie nicht automatisch

Mit einer Wärmepumpe im Haus verbrauchen Sie mehr von Ihrem Solarstrom selbst – der Eigenverbrauchsanteil steigt. Weil aber auch der Gesamtstrombedarf stark wächst, sinkt der Autarkiegrad, also der Anteil Ihres gesamten Stromverbrauchs, den die PV-Anlage deckt. Eine Untersuchung der HTW Berlin, die die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in einem Faktencheck auswertet, kommt für ein Beispielhaus mit 140 m² und 10-kWp-Anlage auf einen Eigenverbrauch und eine Autarkie von je 28 Prozent; mit einer 6-kWh-Batterie waren es 47 bzw. 45 Prozent. Die zugrunde liegende Studie stammt aus dem Jahr 2015, die Größenordnung deckt sich aber mit den aktuellen Angaben der Verbraucherzentralen.

Rechenbeispiel: 10 kWp und Wärmepumpe

Angenommene Werte: Einfamilienhaus mit 4.000 kWh Haushaltsstrom und 4.000 kWh Wärmepumpenstrom pro Jahr (gesamt 8.000 kWh). Die PV-Anlage hat 10 kWp und erzeugt 9.000 kWh. Ohne Batterie werden 25 % des Strombedarfs mit Solarstrom gedeckt, mit Batterie 40 %. Ein gemeinsamer Zähler, Strompreis 37 ct/kWh (BDEW, Haushaltsstrom 2026), Einspeisevergütung 7,70 ct/kWh (Teileinspeisung bis 10 kW, Inbetriebnahme bis 31.12.2026, Bundesnetzagentur).

Ohne BatterieMit Batterie
Selbst genutzter Solarstrom2.000 kWh3.200 kWh
Ersparnis Netzstrom (37 ct)ca. 740 €ca. 1.184 €
Eingespeist7.000 kWh5.800 kWh
Einspeisevergütung (7,70 ct)ca. 539 €ca. 447 €
Vorteil pro Jahrca. 1.279 €ca. 1.631 €
Weiterhin aus dem Netz6.000 kWh4.800 kWh
Vereinfachte Beispielrechnung mit angenommenen Werten; Speicherverluste, Betriebskosten und Preisänderungen nicht berücksichtigt. Stand: Oktober 2026.

Die Batterie bringt im Beispiel rund 350 Euro mehr pro Jahr. Nach der Faustregel der Verbraucherzentrale von etwa 1,5 kWh Speicherkapazität je 1.000 kWh Jahresverbrauch wären das rund 12 kWh; bei 300 bis 700 Euro pro kWh und einer Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren ist das genau nachzurechnen. Mehr dazu unter Stromspeicher Kosten. Wie Sie den Strombedarf Ihrer Wärmepumpe abschätzen, zeigt der Ratgeber Stromverbrauch einer Wärmepumpe berechnen.

Wärmepumpentarif und Solarstrom: die Zählerfrage

Viele Haushalte betreiben die Wärmepumpe über einen eigenen Zähler mit günstigerem Wärmepumpentarif. Laut Verbraucherzentrale sind die Netzentgelte dabei im Durchschnitt rund 7 Cent pro kWh niedriger, für den zweiten Zähler fällt aber eine zusätzliche Grundgebühr an. Hängt die Wärmepumpe an einem getrennten Zähler, kann sie den Solarstrom ohne besondere Messtechnik nicht nutzen.

Die Lösung heißt Kaskadenschaltung: Ein Zweirichtungszähler am Hausanschluss und ein Unterzähler für die Wärmepumpe werden hintereinandergeschaltet. So kann die Wärmepumpe Solarstrom nutzen, und der Reststrom aus dem Netz wird zum Wärmepumpentarif abgerechnet. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät, das Messkonzept mit einem zugelassenen Elektroinstallateur zu planen und vorab beim Netzbetreiber zu klären, denn die Anforderungen unterscheiden sich je nach Netzbetreiber. Unter Umständen ist ein neuer Zählerschrank nötig. Ob sich ein eigener Tarif überhaupt lohnt, erklärt der Ratgeber Wärmepumpenstrom.

Beachten Sie: Mit Wärmepumpentarif ist jede selbst genutzte Kilowattstunde Solarstrom für die Wärmepumpe weniger wert, weil sie günstigeren Netzstrom ersetzt. Das Rechenbeispiel oben mit 37 Cent fällt dann etwas niedriger aus.

§ 14a EnWG: steuerbare Wärmepumpe

Neue Wärmepumpen mit mehr als 4,2 kW Anschlussleistung gelten seit 1. Januar 2024 als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Der Netzbetreiber darf ihren Strombezug bei Netzengpässen vorübergehend drosseln, mindestens 4,2 kW müssen aber immer verfügbar bleiben. Im Gegenzug sinken die Netzentgelte – wahlweise pauschal (Modul 1) oder prozentual über einen separaten Zähler (Modul 2); Modul 3 mit zeitvariablen Netzentgelten lässt sich seit April 2025 mit Modul 1 kombinieren. Details beschreibt die Bundesnetzagentur.

Solarüberschuss gezielt nutzen: SG-Ready und Energiemanagement

Damit die Wärmepumpe dann läuft, wenn die Sonne scheint, braucht sie ein Signal. Viele Geräte haben dafür eine SG-Ready-Schnittstelle: Meldet der Wechselrichter oder ein Energiemanager einen Überschuss, heizt die Wärmepumpe den Warmwasser- oder Pufferspeicher etwas höher auf als nötig. Diese Wärme wird später genutzt, ohne dass Netzstrom fließt. Ein Energiemanagementsystem verteilt den Solarstrom nach Prioritäten, etwa erst Haushalt, dann Wärmepumpe, dann Batterie oder Wallbox. Für die Einbindung von PV, Speicher, Wärmepumpe und Wallbox kommen laut Verbraucherzentrale NRW schnell über 1.000 Euro zusammen.

Wie groß sollte die PV-Anlage sein?

Eine feste Faustregel für die PV-Größe mit Wärmepumpe nennen die Verbraucherzentralen nicht. Laut Verbraucherzentrale sind größere Anlagen meist lohnender, Grenzen setzen Dachfläche und Budget; pro kWp werden etwa 5 bis 7 m² benötigt. Da die Wärmepumpe den Stromverbrauch deutlich erhöht, spricht vieles dafür, das Dach möglichst gut auszunutzen. Kosten pro kWp und Beispielrechnungen finden Sie im Ratgeber Photovoltaik Kosten.

Förderung

  • Wärmepumpe: KfW-Heizungsförderung 458 mit 30 % Grundförderung plus möglichem Klimageschwindigkeits- und Einkommensbonus, insgesamt höchstens 70 % (80 % bei geringem Einkommen). Seit 21. Juli 2026 setzt die Förderung voraus, dass ein intelligentes Messsystem bestellt wird – bei Wärmepumpen, die unter § 14a fallen, einschließlich Steuerungseinrichtung (KfW-Infoblatt, Version 11.0). Mehr im Ratgeber Heizungsförderung.
  • PV-Anlage und Batteriespeicher: laut KfW-Infoblatt nicht förderfähig im Rahmen der Heizungsförderung. Es gilt aber 0 % Mehrwertsteuer (§ 12 Abs. 3 UStG), und der KfW-Kredit 270 finanziert bis zu 100 % der Kosten.

Häufige Fehler

  • Erwarten, dass die PV-Anlage die Wärmepumpe im Winter versorgt.
  • Einen separaten Wärmepumpenzähler einbauen lassen, ohne das Messkonzept für den Solarstrom zu klären.
  • Eine Wärmepumpe ohne SG-Ready oder vergleichbare Schnittstelle kaufen, obwohl eine PV-Anlage vorhanden oder geplant ist.
  • Die Batterie nach dem Wärmepumpenverbrauch im Winter dimensionieren – sie wird dann im Sommer kaum ausgelastet.
  • Den Wärmepumpenauftrag vor dem KfW-Antrag unterschreiben (ohne Vertrag unter Förderbedingung).

Häufige Fragen

Kann eine Wärmepumpe nur mit Solarstrom laufen?

Nein. In den Wintermonaten reicht der Solarstrom bei Weitem nicht; ein Netzanschluss bleibt nötig. Realistisch sind 20 bis 30 Prozent Deckung des gesamten Strombedarfs ohne Batterie.

Lohnt sich eine PV-Anlage mehr, wenn eine Wärmepumpe im Haus ist?

In der Regel ja, weil mehr Solarstrom selbst verbraucht wird und weniger zur niedrigen Einspeisevergütung ins Netz geht. Wie viel genau, hängt von Verbrauch, Anlagengröße und Steuerung ab.

Brauche ich einen zweiten Zähler?

Nur wenn Sie einen Wärmepumpentarif oder Modul 2 nach § 14a nutzen möchten. Mit PV-Anlage ist dann meist eine Kaskadenschaltung nötig. Ein gemeinsamer Zähler ist einfacher, aber ohne Tarifvorteil.

Wird die PV-Anlage zusammen mit der Wärmepumpe gefördert?

Nein, die KfW-Heizungsförderung deckt nur die Wärmepumpe und zugehörige Maßnahmen ab. Für die PV-Anlage gibt es den KfW-Kredit 270 und den Nullsteuersatz.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Das Rechenbeispiel beruht auf angenommenen Werten. Maßgeblich sind die Planung Ihres Fachbetriebs, die Vorgaben Ihres Netzbetreibers und die aktuellen Förderbedingungen der KfW. Dieser Artikel ersetzt keine Energieberatung.