PV-Anlage mieten oder kaufen? Kosten, Verträge und Fallstricke

„Solaranlage ohne Anschaffungskosten“ – mit diesem Versprechen werben viele Anbieter für Miet- und Pachtmodelle. Statt einmalig einen fünfstelligen Betrag zu zahlen, überweisen Sie über viele Jahre eine feste Monatsrate. Unterm Strich ist der Kauf aber fast immer günstiger. Wann die Miete trotzdem eine Option sein kann und worauf Sie im Vertrag achten müssen, lesen Sie hier.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Kauf ist meist günstiger: Über die Laufzeit zahlen Sie bei der Miete in der Regel deutlich mehr als beim Kauf, weil Installation, Service, Versicherung und Gewinn des Anbieters eingepreist sind.
  • Lange Bindung: Mietverträge laufen typischerweise 15 bis 25 Jahre und sind vorzeitig kaum kündbar.
  • Vorteil der Miete: kein Eigenkapital, wenig Aufwand, Wartung und Reparaturen oft inklusive.
  • Alternative: Kauf mit Kredit, z. B. über das KfW-Programm 270.
  • Vor der Unterschrift: Prognose des Anbieters nachrechnen, Übernahme am Vertragsende und Regelungen bei Hausverkauf prüfen.

So funktioniert das Mietmodell

Beim Mietmodell plant und installiert ein Anbieter die Photovoltaikanlage auf Ihrem Dach. Die Anlage gehört während der Vertragslaufzeit dem Anbieter, Sie zahlen eine feste monatliche Rate. Den erzeugten Strom nutzen Sie selbst, Überschüsse speisen Sie ins Netz ein und erhalten dafür die Einspeisevergütung. Im Alltag unterscheidet sich eine gemietete Anlage kaum von einer gekauften.

Neben „Miete“ gibt es Angebote unter Namen wie „Pacht“, „Solar-Abo“ oder „Rundum-sorglos-Paket“. Laut Verbraucherzentrale sagt die Bezeichnung wenig über den Vertrag aus – entscheidend sind die vereinbarten Leistungen, Rechte und Pflichten.

Mieten oder kaufen: der Vergleich

KaufMiete
Anschaffungeinmalig hoher Betrag (oder Kredit)keine Anschaffungskosten
Gesamtkostenniedrigerin der Regel deutlich höher
Laufzeit / Bindungkeinemeist 15 bis 25 Jahre
Wartung, Reparaturselbst organisieren und bezahlenoft enthalten, aber nicht immer vollständig
Versicherungselbst abschließennicht immer enthalten
Einspeisevergütungfür Siefür Sie
Freiheit bei Erweiterung, Speicher, Wallboxhocheingeschränkt, vertraglich geregelt
HausverkaufAnlage geht mit dem HausVertrag muss meist übernommen werden
Eigene Darstellung nach Angaben der Verbraucherzentrale, Stand Oktober 2026

Rechenbeispiel: Was kostet die Miete wirklich?

Ein vereinfachtes Beispiel mit angenommenen Werten zeigt, warum die Miete teurer wird. Eine 10-kWp-Anlage kostet im Kauf je nach Region und Ausstattung grob 10.000 bis 14.000 Euro (siehe Photovoltaik Kosten).

AnnahmeKaufMiete
Anschaffung12.000 €0 €
Monatliche Rate–110 € × 240 Monate
Wartung, Versicherung, Reparaturen (20 Jahre, geschätzt)ca. 4.000 €enthalten
Summe über 20 Jahreca. 16.000 €26.400 €
Beispielrechnung mit angenommenen Werten, ohne Finanzierungskosten und ohne Austausch des Wechselrichters. Ihre Angebote können deutlich abweichen.

Stromersparnis und Einspeisevergütung sind in beiden Fällen gleich, deshalb kommt es nur auf die Kosten an. Wer den Kauf mit einem Kredit finanziert, muss Zinsen einrechnen – auch dann bleibt der Kauf in vielen Fällen günstiger. Rechnen Sie Ihr konkretes Angebot nach, zum Beispiel mit dem Solarrechner der Verbraucherzentrale.

Wann die Miete sinnvoll sein kann

  • Sie haben kein Eigenkapital und bekommen keinen günstigen Kredit.
  • Sie möchten sich um Planung, Wartung und Reparaturen möglichst gar nicht kümmern.
  • Ihnen ist eine planbare, feste Monatsrate wichtiger als die niedrigsten Gesamtkosten.

Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass sich eine Ersparnis gegenüber dem reinen Netzbezug bei der Miete oft erst spät in der Laufzeit oder nach Vertragsende einstellt – und dass Anbieter-Beispielrechnungen häufig zu optimistisch sind.

Checkliste für den Mietvertrag

  • Eigenverbrauch: Ist der angenommene Eigenverbrauchsanteil realistisch? Ohne Speicher liegt er in Einfamilienhäusern meist bei rund einem Viertel bis einem Drittel.
  • Strompreissteigerung: Üblich sind Annahmen von 2 bis 3 Prozent pro Jahr. Manche Anbieter rechnen mit dem Zwei- bis Dreifachen. Lohnt sich das Angebot auch bei heutigen Strompreisen?
  • Zeitraum: Rechnen Sie nur über die Mietdauer, nicht über 25 oder 30 Jahre.
  • Vertragsende: Geht die Anlage am Ende kostenlos in Ihr Eigentum über? Was kostet ein vorzeitiger Abkauf?
  • Leistungen: Welche Wartungen, Reparaturen und Versicherungen sind enthalten – und welche Kosten tragen Sie selbst?
  • Ertragsgarantie: Was passiert, wenn die Anlage weniger Strom liefert als zugesagt?
  • Speicher: Speicher halten meist 10 bis 15 Jahre. Wer ersetzt ihn, wenn er während der Laufzeit ausfällt?
  • Hausverkauf und Erbe: Bei Verkauf oder Vererbung muss der Vertrag in der Regel weitergeführt werden. Klären Sie die Bedingungen vorab.
  • Insolvenz des Anbieters: Was passiert mit Anlage und Service? Kunden insolventer Anbieter hatten teils Probleme beim Weiterbetrieb.
  • Mehrwertsteuer: Viele Anbieter gestalten die Verträge so, dass der Nullsteuersatz auch für die Miete gilt – mit Ausnahme eines Serviceanteils. Fragen Sie nach.

Die Alternative: Kauf mit Kredit

Wenn das Eigenkapital fehlt, ist ein Kredit oft günstiger als die Miete. Die KfW finanziert mit dem Programm „Erneuerbare Energien – Standard“ (270) bis zu 100 Prozent der Investitionskosten für Photovoltaik und Batteriespeicher. Den Antrag stellen Sie über Ihre Hausbank – und zwar vor Beginn des Vorhabens bzw. vor Abschluss eines verbindlichen Kaufvertrags. Mehr zu Kredit, Steuervorteilen und regionalen Programmen: Photovoltaik Förderung.

Mit dem Kauf übernehmen Sie allerdings selbst die Organisation: Angebote vergleichen, Versicherung abschließen, Anlage im Marktstammdatenregister registrieren und Wartungen beauftragen. Beim Kauf seit 2023 gilt für Anlagen bis 30 kWp auf oder an Wohngebäuden in der Regel der Nullsteuersatz.

Häufige Fragen

Kann ich einen PV-Mietvertrag vorzeitig kündigen?

Eine ordentliche Kündigung ist während der Laufzeit meist nicht vorgesehen. Viele Anbieter ermöglichen einen vorzeitigen Abkauf, der aber deutlich teurer ist als ein direkter Kauf. Wurde der Vertrag an der Haustür oder online geschlossen, besteht in der Regel ein Widerrufsrecht von zwei Wochen.

Bekomme ich bei einer Mietanlage die Einspeisevergütung?

In der Regel ja: Sie betreiben die Anlage und erhalten die Vergütung für den eingespeisten Strom. Die aktuellen Sätze finden Sie unter Einspeisevergütung. Prüfen Sie im Vertrag, wer als Betreiber im Marktstammdatenregister eingetragen wird.

Ist Pacht etwas anderes als Miete?

Für Sie als Kunde macht die Bezeichnung kaum einen Unterschied. Entscheidend ist, was der Vertrag zu Leistungen, Haftung, Laufzeit und Vertragsende regelt.

Lohnt sich auch ein gemieteter Speicher?

Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch, hält aber meist nur 10 bis 15 Jahre – kürzer als ein typischer Mietvertrag. Klären Sie, wer den Ersatz bezahlt. Grundsätzliches zur Wirtschaftlichkeit: Stromspeicher Kosten.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Die Beispielrechnung beruht auf Annahmen. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Beratung oder Prüfung Ihres Vertrags.