Eine Infrarotheizung ist günstig in der Anschaffung und schnell montiert, verbraucht aber für jede Kilowattstunde Wärme eine Kilowattstunde Strom. Als Hauptheizung für ein ganzes Haus wird sie deshalb im Betrieb meist deutlich teurer als eine Wärmepumpe oder eine Gasheizung. Sinnvoll ist sie vor allem für selten genutzte Einzelräume, als Zusatzheizung oder in sehr gut gedämmten Gebäuden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Anschaffung: Geräte gibt es laut Verbraucherzentrale ab etwa 300 Euro, üblich sind laut Stiftung Warentest 200 bis 2.000 Watt Leistung.
- Effizienz: 1 kWh Strom ergibt 1 kWh Wärme – nicht mehr als beim Heizlüfter. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe macht im Feldtest im Mittel 3,4 kWh Wärme daraus.
- Betrieb: Haushaltsstrom kostet 37,3 ct/kWh, Gas 12,23 ct/kWh (BDEW, Oktober 2026) – Strom ist pro Kilowattstunde rund dreimal so teuer.
- Recht: In Häusern mit Wohnungen nur zulässig, wenn der Wärmeschutz das Neubau-Niveau um 30 % unterschreitet – Ausnahme: selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser (§ 46 GModG).
- Förderung: keine. Die KfW schließt Infrarotheizungen ausdrücklich aus.
Wie funktioniert eine Infrarotheizung?
Infrarotheizungen sind flache Paneele für Wand oder Decke, teils als Spiegel, Bild oder Glasfläche gestaltet. Ein elektrischer Heizleiter erwärmt die Fläche, die überwiegend Strahlungswärme abgibt. Diese Strahlung erwärmt zuerst Menschen, Wände und Möbel, die die Wärme dann an den Raum weitergeben. Deshalb fühlt sich die Wärme direkt vor dem Gerät schnell angenehm an.
Technisch ist die Infrarotheizung eine Stromdirektheizung: Das Gebäudemodernisierungsgesetz definiert diese als Gerät, das Raumwärme direkt über den elektrischen Widerstand erzeugt (§ 3 Abs. 1 Nr. 29 GModG). Die Energieberatung der Verbraucherzentrale stellt klar, dass der Energieaufwand für alle direkten elektrischen Wärmeanwendungen gleich ist – ob Heizlüfter, Ölradiator oder Infrarotpaneel. Infrarotheizungen sind leiser und unauffälliger, verbrauchen aber nicht nennenswert weniger Strom, auch wenn das in der Werbung oft anders klingt.
Was kostet eine Infrarotheizung?
Die Anschaffung ist der große Vorteil. Laut Verbraucherzentrale sind Infrarotheizgeräte ab etwa 300 Euro erhältlich, Heizlüfter ab etwa 25 Euro und Ölradiatoren um 100 Euro. Paneele für die Steckdose brauchen keine Rohre, keinen Schornstein und keinen Heizungsraum. Fest angeschlossene Geräte, eigene Stromkreise oder ein separater Zähler verursachen zusätzliche Elektrikerkosten.
Entscheidend sind die Betriebskosten. Die Stiftung Warentest rechnet für eine 100-m²-Wohnung, die nur mit Infrarot beheizt wird, mit etwa 8.000 Watt Gesamtleistung. Laufen die Geräte in der kalten Jahreshälfte acht Stunden täglich, kommen 11.680 kWh im Jahr zusammen.
Rechenbeispiel: ganzes Haus
Angenommene Werte: Einfamilienhaus mit einem Wärmebedarf von 12.000 kWh pro Jahr für die Raumheizung, Haushaltsstrom 37,3 ct/kWh und Gas 12,23 ct/kWh (jeweils BDEW-Durchschnitt 2026, Stand Oktober), Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe 3,4 und Nutzungsgrad der Gasheizung 90 %. Grundpreise sind nicht berücksichtigt.
| Heizsystem | Energiebedarf pro Jahr | Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| Infrarotheizung (Haushaltsstrom) | 12.000 kWh Strom | ca. 4.480 € |
| Gasheizung | ca. 13.330 kWh Gas | ca. 1.630 € |
| Luft-Wasser-Wärmepumpe (Haushaltsstrom) | ca. 3.530 kWh Strom | ca. 1.320 € |
Die Jahresarbeitszahl von 3,4 entspricht dem Mittelwert, den das Fraunhofer ISE für Luft-Wasser-Wärmepumpen in Bestandsgebäuden gemessen hat. Wie Sie den Verbrauch für Ihr Haus abschätzen, zeigt der Ratgeber Stromverbrauch einer Wärmepumpe.
Rechenbeispiel: einzelner Raum
Angenommene Werte: Ein 600-Watt-Paneel im Bad läuft an 200 Tagen im Jahr jeweils eine Stunde morgens. Das sind 120 kWh oder bei 37,3 ct/kWh rund 45 Euro pro Jahr. Für solche kurzen, gezielten Einsätze kann die niedrige Investition die höheren Kosten pro Kilowattstunde aufwiegen.
Gibt es günstigen Heizstrom für Infrarotheizungen?
Nur selten. Nach Angaben der Verbraucherzentrale müssen Infrarotheizungen meist mit normalem Haushaltsstrom betrieben werden. Ein Heizstromtarif setzt einen eigenen Zähler voraus, kostet eine zusätzliche Grundgebühr und ist an die Bedingungen des örtlichen Netzbetreibers gebunden; einen Anspruch darauf gibt es nicht. Mögliche Sperrzeiten sind bei Infrarotheizungen besonders unangenehm, weil sie kaum Wärme speichern. Tarife für Nachtspeicherheizungen mit günstigem Nachtstrom helfen kaum, weil Sie tagsüber heizen. Oft ist ein günstiger Haushaltstarif die bessere Wahl – Tipps dazu im Ratgeber Stromanbieter wechseln.
Wann ist eine Infrarotheizung sinnvoll?
- Selten genutzte Räume wie Gästezimmer, Hobbykeller oder Gartenhaus, die nur gelegentlich und kurz warm sein müssen.
- Zusatzheizung im Bad, um an kalten Morgen schnell Wärme zu haben, ohne die ganze Heizung höher zu stellen.
- Sehr gut gedämmte Gebäude mit geringem Wärmebedarf, in denen sich ein wassergeführtes Heizsystem kaum lohnt.
- Übergangslösung, etwa bei einem Heizungsausfall. Die Verbraucherzentrale empfiehlt dann, nur die genutzten Räume zu heizen und die Geräte gezielt auf die Personen auszurichten.
Weniger geeignet ist die Infrarotheizung als alleinige Heizung in einem ganzjährig bewohnten, nicht oder nur teilweise sanierten Haus. Hier sind die Betriebskosten hoch, und auch die Klimabilanz ist schlechter als bei einer Wärmepumpe, solange der Strom nicht vollständig erneuerbar ist. Mit einer eigenen PV-Anlage lässt sich ein Teil des Stroms decken, im Winter ist der Solarertrag aber gering. Ob eine Wärmepumpe in Ihrem Haus funktioniert, klärt der Ratgeber Wärmepumpe im Altbau.
Was erlaubt das Gesetz? § 46 GModG
Seit dem 29. Juli 2026 regelt § 46 GModG den Einbau von Stromdirektheizungen in bestehende Gebäude:
- In ein bestehendes Gebäude mit Wohnungen darf eine Stromdirektheizung nur eingebaut werden, wenn das Gebäude die Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz nach §§ 16 und 19 GModG – also das Neubau-Niveau – um mindestens 30 Prozent unterschreitet. Das setzt in der Regel eine sehr gute Dämmung voraus.
- Ausnahme: Gebäude mit höchstens zwei Wohnungen, von denen der Eigentümer eine selbst bewohnt.
- Ausnahme: Der Austausch einer bestehenden Einzelraum-Stromdirektheizung ist ebenfalls erlaubt.
Für Vermieterinnen und Vermieter in Mehrfamilienhäusern ist eine neue Infrarotheizung als Hauptheizung damit meist ausgeschlossen. Wer eine alte Nachtspeicherheizung ersetzen möchte, findet Alternativen im Ratgeber Nachtspeicherheizung.
Wird eine Infrarotheizung gefördert?
Nein. Das KfW-Infoblatt zu den förderfähigen Maßnahmen nennt Nachtstromspeicherheizungen, Elektro-Heizstrahler und Infrarotheizungen ausdrücklich als nicht förderfähig (Ausnahme: Strahlungsheizungen in Nichtwohngebäuden). Gefördert werden dagegen Wärmepumpen mit 30 Prozent Grundförderung plus möglichen Boni – Details im Ratgeber Heizungsförderung.
Checkliste vor dem Kauf
- Nutzungsdauer ehrlich abschätzen: Wie viele Stunden pro Jahr soll der Raum geheizt werden?
- Jahreskosten berechnen: Leistung in kW × Stunden × Strompreis.
- Bei Gebäuden mit Wohnungen § 46 GModG prüfen, besonders als Vermieter.
- Gerät mit Thermostat und Zeitsteuerung wählen und so platzieren, dass es auf die Sitz- oder Aufenthaltsbereiche strahlt.
- Bei mehreren fest installierten Geräten die Elektroinstallation von einem Fachbetrieb prüfen lassen.
Häufige Fragen
Verbraucht eine Infrarotheizung weniger Strom als ein Heizlüfter?
Pro erzeugter Kilowattstunde Wärme nein. Laut Verbraucherzentrale ist der Energieaufwand bei allen elektrischen Direktheizungen gleich. Unterschiede entstehen nur durch die Nutzung, etwa wenn ein Paneel gezielt kürzer läuft.
Darf ich in meiner Mietwohnung eine Infrarotheizung aufstellen?
Ein mobiles Steckdosengerät als Zusatzheizung können Sie in der Regel selbst nutzen; die Stromkosten tragen Sie. Fest montierte Geräte oder Eingriffe in die Elektroinstallation sollten Sie vorher mit dem Vermieter abstimmen.
Ist die Infrarotheizung ab 2026 verboten?
Nein. Für selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser gibt es keine Einschränkung. In anderen Wohngebäuden ist der Einbau nur bei sehr gutem Wärmeschutz erlaubt oder wenn eine bestehende Einzelraum-Stromdirektheizung ersetzt wird.
Lohnt sich eine Infrarotheizung mit Photovoltaik?
Nur eingeschränkt. Der Heizbedarf ist im Winter am höchsten, wenn die PV-Anlage am wenigsten Strom liefert. Für die Übergangszeit und kurze Einsätze kann eigener Solarstrom die Kosten senken.
Quellen
- Energieberatung der Verbraucherzentrale: Elektrische Direktheizung
- Verbraucherzentrale: Für Infrarotheizungen gibt es oft keinen günstigen Heizstrom
- Stiftung Warentest: Infrarotheizung – Notlösung ohne Sparpotenzial
- § 46 GModG – Einbau einer Stromdirektheizung und § 3 GModG
- KfW: Infoblatt förderfähige Maßnahmen und Leistungen (BEG)
- Fraunhofer ISE: Wärmepumpen heizen auch im Altbau klimafreundlich
- BDEW-Strompreisanalyse und BDEW-Gaspreisanalyse
Stand: November 2026. Die Rechenbeispiele beruhen auf angenommenen Werten. Tatsächliche Kosten hängen von Gebäude, Nutzung und Stromtarif ab. Dieser Artikel ersetzt keine Energieberatung.