Wie viel Strom wird meine Wärmepumpe brauchen – und was kostet das im Jahr? Diese Frage lässt sich mit einer einfachen Formel erstaunlich gut beantworten, wenn man zwei Werte kennt: den Wärmebedarf des Hauses und die Effizienz der Wärmepumpe. Hier zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie beides aus Ihrer bisherigen Gas- oder Ölrechnung ableiten, mit fertigen Beispieltabellen und Tipps, um den Verbrauch zu senken.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Formel: Stromverbrauch = Wärmebedarf ÷ Jahresarbeitszahl (JAZ).
- Wärmebedarf lässt sich aus dem bisherigen Gas- oder Ölverbrauch abschätzen.
- Realistische JAZ im Bestand laut Fraunhofer ISE: im Mittel 3,4 (Luft-Wasser) und 4,3 (Erdwärme).
- Beispiel: 18.000 kWh Wärmebedarf ÷ 3,4 = rund 5.300 kWh Strom pro Jahr.
- Kosten im Einfamilienhaus laut ADAC meist rund 750 bis 1.600 Euro pro Jahr.
Schritt 1: Wärmebedarf ermitteln
Am einfachsten nutzen Sie Ihren bisherigen Brennstoffverbrauch. Weil ein Kessel nicht die gesamte Energie im Brennstoff in Wärme umwandelt, multiplizieren Sie den Verbrauch mit einem Nutzungsgrad. Für ältere Kessel ist ein Wert von etwa 0,85 eine gute Annahme, für moderne Brennwertkessel etwa 0,9.
| Bisherige Heizung | Rechenweg | Beispiel |
|---|---|---|
| Gas (Abrechnung in kWh) | Gasverbrauch × Nutzungsgrad | 20.000 kWh × 0,9 = 18.000 kWh |
| Heizöl (Liter) | Liter × ca. 10 kWh × Nutzungsgrad | 2.000 l × 10 × 0,85 = 17.000 kWh |
Nehmen Sie möglichst den Durchschnitt mehrerer Jahre, da milde und kalte Winter stark schwanken. Genauer wird es mit einer Heizlastberechnung durch einen Fachbetrieb oder Energieberater – sie ist ohnehin für die richtige Auslegung der Wärmepumpe nötig.
Schritt 2: Jahresarbeitszahl einschätzen
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt an, wie viel Wärme die Wärmepumpe im Jahresmittel aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt. Sie ist nicht mit dem COP auf dem Datenblatt zu verwechseln, der nur für einen einzelnen Betriebspunkt im Labor gilt. Realistische Werte für bestehende Häuser liefert der Feldtest des Fraunhofer ISE:
- Luft-Wasser-Wärmepumpe: im Mittel 3,4 (Spanne 2,6 bis 4,9)
- Erdwärmepumpe: im Mittel 4,3 (Spanne 3,6 bis 5,4)
Für eine vorsichtige Rechnung bei einem wenig sanierten Haus mit hohen Vorlauftemperaturen setzen Sie eher 3,0 an, bei einem gut gedämmten Haus mit Flächenheizung eher 4,0 oder mehr.
Schritt 3: Stromverbrauch und Kosten berechnen
Stromverbrauch = Wärmebedarf ÷ JAZ. Die folgende Tabelle zeigt typische Werte. Für die Kosten rechnen wir mit 25 Cent pro kWh – viele Wärmepumpentarife liegen in dieser Größenordnung und damit deutlich unter dem durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von zuletzt rund 37 Cent.
| Wärmebedarf pro Jahr | JAZ 3,0 | JAZ 3,4 | JAZ 4,3 |
|---|---|---|---|
| 12.000 kWh (sanierter Bestand) | 4.000 kWh / 1.000 € | 3.529 kWh / 882 € | 2.791 kWh / 698 € |
| 18.000 kWh (typisches EFH) | 6.000 kWh / 1.500 € | 5.294 kWh / 1.324 € | 4.186 kWh / 1.047 € |
| 25.000 kWh (wenig saniert) | 8.333 kWh / 2.083 € | 7.353 kWh / 1.838 € | 5.814 kWh / 1.453 € |
Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt im Einfamilienhaus braucht ohne Wärmepumpe rund 3.800 kWh Haushaltsstrom im Jahr (siehe Stromverbrauch im Haushalt). Mit Wärmepumpe steigt der gesamte Stromverbrauch also auf mehr als das Doppelte – dafür entfällt die Gas- oder Ölrechnung.
Was den Verbrauch in die Höhe treibt
- Hohe Vorlauftemperatur: Jedes Grad weniger verbessert die Effizienz. Größere Heizkörper und ein hydraulischer Abgleich helfen – siehe Wärmepumpe im Altbau.
- Elektrischer Heizstab: Er springt ein, wenn die Wärmepumpe nicht reicht, und arbeitet nur mit einer Effizienz von 1. Läuft er häufig, ist die Anlage falsch dimensioniert oder eingestellt.
- Zu häufiges Takten: Eine überdimensionierte Wärmepumpe schaltet ständig an und aus und verliert dabei Effizienz.
- Hohe Warmwassertemperatur: Warmwasser mit 60 °C kostet deutlich mehr als mit 50 °C. Fragen Sie Ihren Fachbetrieb nach einer hygienisch sicheren Einstellung.
So senken Sie die Stromkosten
- Wärmepumpentarif wählen und Angebote regelmäßig vergleichen.
- § 14a-Rabatt nutzen: Neue Wärmepumpen sind steuerbare Verbrauchseinrichtungen; dafür sinkt das Netzentgelt – pauschal oder mit separatem Zähler prozentual.
- Eigenen Solarstrom nutzen: Vor allem in der Übergangszeit kann eine Photovoltaikanlage einen Teil des Bedarfs decken.
- JAZ kontrollieren: Viele Wärmepumpen zeigen erzeugte Wärme und Stromverbrauch an. Teilen Sie beides nach einem Jahr – liegt der Wert deutlich unter den Erwartungen, lassen Sie die Einstellungen prüfen.
Häufige Fragen
Braucht die Wärmepumpe einen eigenen Stromzähler?
Nicht zwingend. Ein separater Zähler ermöglicht aber einen Wärmepumpentarif und das Modul 2 des § 14a-Rabatts. Ob sich der zweite Zähler lohnt, hängt von Ihrem Verbrauch und den Zählerkosten ab.
Ist eine Wärmepumpe günstiger als Gas?
Bei einer guten Jahresarbeitszahl und einem günstigen Wärmepumpentarif sind die Betriebskosten oft niedriger als mit Gas – zumal der CO₂-Preis auf fossile Brennstoffe steigt. Die genaue Rechnung hängt von Ihren Tarifen ab. Die Anschaffungskosten und die Förderung finden Sie im Ratgeber Wärmepumpe Kosten.
Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Winter?
Den größten Teil ihres Jahresverbrauchs – in den kalten Monaten von Dezember bis Februar ist der Verbrauch am höchsten, im Sommer läuft sie meist nur für das Warmwasser.
Quellen
- Fraunhofer ISE: Feldtest „WP-QS im Bestand“
- ADAC: Wärmepumpe – Kosten und Stromverbrauch
- Bundesnetzagentur: Regelungen zu steuerbaren Verbrauchseinrichtungen (§ 14a EnWG)
- BDEW-Strompreisanalyse
Stand: Oktober 2026. Die Berechnung ist eine Abschätzung und ersetzt keine Heizlastberechnung oder Energieberatung.