Heizkörper für die Wärmepumpe: Ist ein Austausch nötig?

In vielen Bestandshäusern können die vorhandenen Heizkörper bleiben, wenn eine Wärmepumpe kommt. Entscheidend ist, ob sie die Räume auch mit einer Vorlauftemperatur von höchstens 55 Grad warm bekommen – besser mit weniger. Oft reicht es, einzelne zu kleine Heizkörper gezielt zu ersetzen. Ob das bei Ihnen so ist, können Sie mit einem einfachen Test an einem kalten Wintertag selbst prüfen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Zielwert: Vorlauftemperatur maximal 55 °C, jedes Grad weniger macht die Wärmepumpe laut Verbraucherzentrale 2 bis 3 % effizienter.
  • Selbsttest: Vorlauf der alten Heizung an einem kalten Tag auf 55 °C begrenzen und prüfen, ob alle Räume warm werden.
  • Meist reicht der Teilaustausch: Fraunhofer ISE empfiehlt, zu kleine Heizkörper raumweise zu ersetzen – eine Fußbodenheizung ist in der Regel nicht nötig.
  • Förderung: Heizkörper sind beim Heizungstausch über KfW 458 mitförderfähig; einzeln fördert das BAFA Niedertemperaturheizkörper mit 15 %.
  • Hydraulischer Abgleich nach Verfahren B ist Fördervoraussetzung.

Warum die Vorlauftemperatur entscheidet

Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je geringer der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle (zum Beispiel Außenluft) und Heizwasser ist. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz nennt als Mindestziel, die Heizwassertemperatur auf maximal 55 Grad zu begrenzen – weniger sei besser. Jedes Grad weniger mache die Wärmepumpe 2 bis 3 Prozent effizienter. Auch co2online rät zu einer Vorlauftemperatur idealerweise unter 55 Grad.

Heizkörper geben bei niedrigerer Wassertemperatur weniger Wärme ab. Ein Heizkörper, der mit 70 Grad einen Raum problemlos heizt, kann bei 50 Grad zu klein sein. Die Frage lautet also nicht „Heizkörper oder Fußbodenheizung?“, sondern: Reicht die Fläche Ihrer Heizkörper für die Heizlast des jeweiligen Raums bei niedriger Temperatur?

Rechenbeispiel: Was eine niedrigere Vorlauftemperatur bringt

Angenommene Werte: Ein Haus braucht 15.000 kWh Heizwärme im Jahr. Mit 55 Grad Vorlauf erreicht die Wärmepumpe eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,0 und benötigt damit 5.000 kWh Strom. Gelingt es durch größere Heizkörper, mit 45 Grad auszukommen, steigt die Effizienz nach der Faustregel der Verbraucherzentrale um grob 20 bis 30 Prozent – die JAZ läge also bei etwa 3,6 bis 3,9.

SzenarioJAZ (angenommen)StrombedarfKosten bei 27,44 ct/kWh
55 °C Vorlauf3,05.000 kWhca. 1.372 €
45 °C Vorlauf3,6ca. 4.170 kWhca. 1.144 €
45 °C Vorlauf3,9ca. 3.850 kWhca. 1.056 €
Vereinfachte, lineare Rechnung mit angenommenen Werten; Strompreis: durchschnittlicher Wärmepumpentarif mit separatem Zähler laut Monitoringbericht 2025. Die tatsächliche Wirkung hängt von Gerät, Gebäude und Wetter ab.

Im Beispiel spart die niedrigere Vorlauftemperatur rund 230 bis 320 Euro Strom pro Jahr. Wie Sie Ihren eigenen Verbrauch abschätzen, erklärt der Ratgeber Stromverbrauch einer Wärmepumpe berechnen.

Der 55-Grad-Test: Reichen Ihre Heizkörper?

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale beschreibt einen einfachen Test, den Sie mit Ihrer bestehenden Gas- oder Ölheizung durchführen können:

  • Wählen Sie einen kalten Wintertag.
  • Begrenzen Sie die Vorlauftemperatur der vorhandenen Heizung auf 55 Grad (bei Bedarf hilft Ihr Heizungsbetrieb oder die Bedienungsanleitung).
  • Stellen Sie alle Heizkörperthermostate auf Stufe 3.
  • Beobachten Sie über einen oder mehrere Tage, ob alle Räume die gewünschte Temperatur erreichen.

Werden alle Räume warm, ist eine Wärmepumpe laut Verbraucherzentrale problemlos möglich. Bleiben nur einzelne Räume kühl, genügt vermutlich der Tausch dieser Heizkörper gegen größere. Bleibt es überall zu kalt, ist ohne Dämmmaßnahmen kein wirtschaftlicher Wärmepumpenbetrieb zu erwarten. Die Verbraucherzentrale weist zudem darauf hin, dass Heizkörper in Altbauten überraschend oft überdimensioniert sind – der Test fällt also häufig besser aus als erwartet.

co2online schlägt eine strengere Variante vor: die Vorlauftemperatur auf 45 bis 50 Grad senken. Bleibt es dann warm, ist das Haus sehr wahrscheinlich ohne Weiteres geeignet; andernfalls sind meist nur einzelne Heizkörper auszutauschen.

Der Test ersetzt keine Heizlastberechnung

Für die Planung und die Förderung braucht es mehr als einen Selbsttest. Fachleute berechnen für jeden Raum die notwendige Heizleistung nach DIN EN 12831 und vergleichen sie mit der Leistung der vorhandenen Heizkörper bei der geplanten Vorlauftemperatur. Die raumweise Heizlastberechnung ist Voraussetzung für die staatliche Förderung. Mehr zur Eignung älterer Häuser lesen Sie im Beitrag Wärmepumpe im Altbau.

Was Feldtests zeigen

Das Fraunhofer ISE hat Wärmepumpen in Bestandsgebäuden über Jahre vermessen. Im Abschlussbericht des Projekts WP-QS im Bestand hatten je etwa ein Viertel der Gebäude reine Heizkörper oder reine Fußbodenheizungen, rund die Hälfte kombinierte Systeme. Selbst in der Gruppe der reinen Heizkörpersysteme lag die niedrigste gemessene JAZ bei 3,0. Die mittlere Heizkreistemperatur betrug bei reinen Heizkörpersystemen 38,5 Grad, bei Fußbodenheizungen 32,0 Grad.

Die Forschenden empfehlen, die Auslegung der Heizkörper raumweise zu überprüfen und gezielt zu klein dimensionierte Heizkörper auszutauschen. Ein flächendeckender Umbau auf Fußbodenheizung sei nicht nötig. In einer Pressemitteilung vom November 2025 fasst das Institut zusammen: Ausreichend dimensionierte Heizkörper arbeiten im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen wie Flächenheizungen. Im aktuellen Feldtest mit 77 Anlagen erreichten Luft-Wasser-Wärmepumpen im Mittel eine JAZ von 3,4, Erdwärmepumpen 4,3.

Welche Heizkörper eignen sich?

TypEignung für Wärmepumpe
Plattenheizkörper (Typ 11, 21, 22, 33)geeignet, wenn groß genug; die erste Zahl nennt die Anzahl der Platten, die zweite die der Konvektorbleche – mehr Platten und Bleche bedeuten mehr Leistung bei gleicher Breite
Niedertemperatur-Heizkörperfür etwa 35 bis 45 Grad ausgelegt, teils mit eingebautem Lüfter (Gebläse)
Gebläsekonvektoren (Fan-Coils)hohe Leistung auf kleiner Fläche, brauchen Strom für den Lüfter
Fußboden- oder Wandheizungsehr gut geeignet, Vorlauf meist unter 45 Grad; nachträglicher Einbau aufwendig
Alte Gliederheizkörper (Rippenheizkörper)laut co2online eher nicht geeignet
Quelle: co2online. Stand: Oktober 2026.

Was ein Austausch kostet, hängt stark von Größe, Typ und Anschlussarbeiten ab. Neutrale Durchschnittspreise pro Heizkörper gibt es nicht. co2online nennt für die Zusatzkosten beim Umstieg von Gas auf Wärmepumpe – darunter der Austausch oder die Anpassung einzelner Heizkörper – meist 2.000 bis 10.000 Euro. Holen Sie sich deshalb ein Angebot ein, das jeden Heizkörper einzeln aufführt. Einen Überblick über die Gesamtkosten finden Sie unter Wärmepumpe Kosten.

Förderung für neue Heizkörper

Zusammen mit der Wärmepumpe: KfW 458

Wenn Sie die Heizkörper im Zuge des Heizungstauschs ersetzen, sind sie Teil der förderfähigen Kosten der KfW-Heizungsförderung. Laut dem KfW-Infoblatt zu den förderfähigen Maßnahmen (Version 11.0) zählen Heizkörper in jeglicher Bauausführung, auch Gebläsekonvektoren, sowie Flächenheizungen einschließlich Estrich zur förderfähigen Wärmeverteilung. Es gelten dann die Fördersätze der Heizungsförderung – Grundförderung 30 Prozent plus mögliche Boni. Details stehen im Ratgeber Heizungsförderung.

Nachträglich: BAFA-Heizungsoptimierung

Möchten Sie Heizkörper später ersetzen, etwa weil einzelne Räume nicht warm werden, kommt die Heizungsoptimierung des BAFA infrage. Gefördert wird unter anderem der Austausch von Heizkörpern durch Niedertemperaturheizkörper mit einer Vorlauftemperatur von höchstens 55 Grad sowie der Einbau von Flächenheizungen mit höchstens 35 Grad. Der Fördersatz beträgt 15 Prozent, die Mindestinvestition 300 Euro brutto. Der Wärmeerzeuger muss älter als zwei Jahre sein. Der Bonus von 5 Prozentpunkten für einen individuellen Sanierungsfahrplan greift nach der seit 21. Juli 2026 geltenden Richtlinie nur bei Investitionen ab 30.000 Euro und nur für Ausgaben oberhalb dieser Grenze – beim Heizkörpertausch spielt er daher praktisch keine Rolle.

Hydraulischer Abgleich ist Pflicht

Beide Förderwege setzen einen hydraulischen Abgleich voraus. Nach den technischen Mindestanforderungen ist er nach Verfahren B mit raumweiser Heizlastberechnung durchzuführen und mit dem Bestätigungsformular der VdZ nachzuweisen. Es genügt nicht, nur einen Teil der Anlage abzugleichen. Der Abgleich ist auch technisch sinnvoll: Erst wenn jeder Heizkörper die passende Wassermenge erhält, kann die Vorlauftemperatur niedrig bleiben.

Häufige Fehler

  • Alle Heizkörper vorsorglich tauschen, obwohl nur zwei oder drei Räume zu kalt werden.
  • Die Wärmepumpe mit hoher Vorlauftemperatur betreiben, statt zu kleine Heizkörper zu ersetzen.
  • Heizkörper vor dem Förderantrag beauftragen – die Förderung muss vor Vertragsabschluss beantragt werden (bzw. mit einem Vertrag unter Förderbedingung).
  • Den hydraulischen Abgleich weglassen oder nur teilweise durchführen.
  • Möbel oder lange Vorhänge vor den Heizkörpern lassen, die die Wärmeabgabe bremsen.

Häufige Fragen

Brauche ich für eine Wärmepumpe eine Fußbodenheizung?

Nein. Die Feldtests des Fraunhofer ISE zeigen, dass Wärmepumpen auch mit ausreichend großen Heizkörpern effizient arbeiten. Ein flächendeckender Umbau auf Fußbodenheizung ist in der Regel nicht nötig.

Wie viele Heizkörper muss ich tauschen?

Das zeigt die raumweise Heizlastberechnung. Oft betrifft es nur einzelne Räume, etwa Bad oder Eckzimmer mit großen Außenwandflächen.

Kann ich den 55-Grad-Test im Sommer machen?

Nein. Aussagekräftig ist er nur an einem kalten Wintertag, wenn die Heizlast hoch ist.

Werden neue Heizkörper auch ohne neue Wärmepumpe gefördert?

Ja, über die BAFA-Heizungsoptimierung mit 15 Prozent, sofern der Wärmeerzeuger älter als zwei Jahre ist und die übrigen Bedingungen erfüllt sind.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Das Rechenbeispiel beruht auf angenommenen Werten und einer vereinfachten Faustregel. Maßgeblich sind die Heizlastberechnung Ihres Fachbetriebs und die aktuellen Förderbedingungen von KfW und BAFA. Dieser Artikel ersetzt keine Energieberatung.