Über ungedämmte Außenwände geht in älteren Häusern ein großer Teil der Heizwärme verloren. Eine Fassadendämmung senkt den Verbrauch deutlich, macht die Räume behaglicher und schützt vor Schimmel – sie ist aber auch eine der teuersten Sanierungsmaßnahmen. Was die verschiedenen Varianten pro Quadratmeter kosten, wann eine Dämmung gesetzlich vorgeschrieben ist und welche Förderung es 2026 gibt, lesen Sie hier.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wärmedämmverbundsystem (WDVS): laut co2online etwa 160 bis 200 Euro pro m² inklusive Montage.
- Hinterlüftete Vorhangfassade: etwa 180 bis 300 Euro pro m².
- Kerndämmung bei zweischaligem Mauerwerk: etwa 25 bis 60 Euro pro m².
- Einsparung: bis zu 19 % der Heizenergie; Beispiel-Einfamilienhaus mit Gasheizung rund 440 Euro pro Jahr.
- Förderung: 15 % BAFA-Zuschuss (U-Wert ≤ 0,20) oder 20 % Steuerbonus.
- Am günstigsten ist die Dämmung, wenn die Fassade ohnehin saniert werden muss.
Die Varianten der Fassadendämmung
Wärmedämmverbundsystem (WDVS)
Die verbreitetste Lösung: Dämmplatten werden auf die Außenwand geklebt und meist zusätzlich gedübelt, darauf folgen ein Unterputz mit Armierungsgewebe und ein Oberputz. Als Dämmstoff kommen etwa Polystyrol (EPS), Mineralwolle, Holzfaser oder Mineralschaum zum Einsatz. Ein WDVS ist vergleichsweise günstig, verändert aber das Aussehen der Fassade und die Tiefe der Fensterlaibungen.
Hinterlüftete Vorhangfassade
Der Dämmstoff wird zwischen einer Unterkonstruktion an der Wand befestigt, davor hängt mit Luftspalt eine Bekleidung aus Holz, Faserzement, Schiefer oder Metall. Die Konstruktion ist robust, langlebig und bauphysikalisch unkritisch, kostet aber mehr.
Kerndämmung
Bei zweischaligem Mauerwerk mit Luftschicht – häufig in Norddeutschland – wird Dämmstoff in den Hohlraum eingeblasen. Laut co2online muss der Hohlraum mindestens vier Zentimeter tief sein. Die Kerndämmung ist die günstigste Variante und braucht kein Gerüst, die Dämmwirkung ist durch die begrenzte Dicke aber geringer.
Innendämmung
Wenn die Fassade nicht verändert werden darf, etwa bei Denkmalschutz oder Sichtfachwerk, kann von innen gedämmt werden. Sie ist bauphysikalisch anspruchsvoll (Feuchteschutz, Wärmebrücken) und kostet Wohnfläche – lassen Sie sie unbedingt fachlich planen.
Was kostet die Fassadendämmung?
| Variante | Gesamtkosten pro m² Wandfläche (Altbau) |
|---|---|
| Kerndämmung | ca. 25–60 € |
| Wärmedämmverbundsystem | ca. 160–200 € |
| Hinterlüftete Vorhangfassade | ca. 180–300 € |
Beispiel: Ein Einfamilienhaus mit 150 m² Außenwandfläche (ohne Fenster) kommt mit einem WDVS auf grob 24.000 bis 30.000 Euro. Zusätzliche Kosten können für neue Fensterbänke, das Versetzen von Fallrohren, Lampen und Markisen oder die Verlängerung des Dachüberstands entstehen.
Kosten sparen: Gerüst, Putz und Anstrich fallen bei jeder Fassadensanierung an. Wenn die Fassade ohnehin erneuert werden muss, sind die Mehrkosten der Dämmung deutlich geringer. co2online empfiehlt deshalb, die Dämmung mit anstehenden Instandsetzungs- und Malerarbeiten zu verbinden – und idealerweise auch mit einem Fenstertausch, damit die Anschlüsse sauber geplant werden können.
Wie viel spart die Dämmung?
Ältere Gebäude verlieren nach Angaben von co2online rund 35 Prozent ihrer Wärme über die Außenwände; etwa die Hälfte davon lässt sich durch eine Dämmung einsparen. Insgesamt sind bis zu 19 Prozent der Heizenergie möglich. In einem Rechenbeispiel von co2online spart ein Einfamilienhaus mit 130 m² Wohnfläche, Baujahr 1983 und Gasheizung rund 440 Euro Heizkosten im Jahr.
Eine fachgerecht ausgeführte Fassadendämmung hält 40 Jahre und länger und amortisiert sich in diesem Zeitraum laut co2online mit hoher Wahrscheinlichkeit. Rechnet man nur die Mehrkosten gegenüber einer ohnehin fälligen Fassadensanierung, fällt die Bilanz deutlich besser aus. Dazu kommen Vorteile, die sich nicht in Euro messen lassen: wärmere Wandoberflächen, weniger Zugluftgefühl und ein geringeres Schimmelrisiko. Ein geringerer Wärmebedarf erleichtert außerdem den Umstieg auf eine Wärmepumpe.
Wann ist die Dämmung Pflicht?
Eine generelle Pflicht zur Fassadendämmung gibt es nicht. Wenn Sie aber mehr als 10 Prozent der Außenwandfläche erneuern – etwa neuen Außenputz auftragen, eine Bekleidung anbringen oder Dämmschichten einbauen –, muss die erneuerte Fläche nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz (bis Juli 2026: Gebäudeenergiegesetz) einen U-Wert von höchstens 0,24 W/(m²K) erreichen. Ein reiner Anstrich oder kleinere Ausbesserungen lösen die Pflicht nicht aus.
Förderung 2026
- BAFA-Zuschuss (BEG EM): 15 Prozent der förderfähigen Kosten, wenn die gedämmte Außenwand einen U-Wert von höchstens 0,20 W/(m²K) erreicht. Energieeffizienz-Expertin einbinden, Antrag vor Vorhabenbeginn. Förderfähig sind bis zu 30.000 Euro pro Jahr für die erste Wohneinheit, mit Sanierungsfahrplan 60.000 Euro.
- iSFP-Bonus: 5 Prozentpunkte zusätzlich – seit 21. Juli 2026 nur für den Teil der Kosten über 30.000 Euro. Bei einer Fassadendämmung, oft kombiniert mit Fenstern, wird diese Schwelle häufig erreicht. Details: Sanierungsfahrplan (iSFP).
- Steuerbonus nach § 35c EStG: 20 Prozent über drei Jahre, höchstens 40.000 Euro Steuerermäßigung, für selbst genutzte Häuser, die älter als zehn Jahre sind (siehe Steuerbonus Sanierung).
| Fassade 27.000 € (Einfamilienhaus) | Förderung | Eigenanteil |
|---|---|---|
| BAFA ohne iSFP (15 %) | 4.050 € | 22.950 € |
| Steuerbonus (20 %) | 5.400 € über 3 Jahre | 21.600 € |
Alle Regeln zur Förderung von Dämmung und Fenstern finden Sie unter Förderung für Dämmung und Fenster.
Häufige Fehler
- Dämmstärke knapp kalkulieren und den Förder-U-Wert verfehlen – die Nachbesserung ist teuer.
- Anschlüsse an Fenster, Dach und Sockel vernachlässigen: Hier entstehen Wärmebrücken und Feuchteschäden.
- Fenster erst nach der Dämmung tauschen – dann muss an der neuen Fassade nachgearbeitet werden.
- Lüftung vergessen: Wird das Haus dichter, braucht es ein Lüftungskonzept.
Häufige Fragen
Wie dick muss die Dämmung sein?
Das hängt von der vorhandenen Wand und dem Dämmstoff ab. Den U-Wert von 0,20 W/(m²K) für die Förderung erreicht man bei üblichen Dämmstoffen meist erst mit deutlich über zehn Zentimetern. Die genaue Stärke berechnet die Energieeffizienz-Expertin.
Bilden sich auf gedämmten Fassaden Algen?
Weil die Außenoberfläche gedämmter Wände kälter bleibt, kann sich dort häufiger Tauwasser bilden, was Algenbewuchs begünstigt. Dachüberstände, mineralische Putze und eine sorgfältige Ausführung verringern das Risiko.
Brauche ich eine Genehmigung?
Meist nicht. Bei Denkmalschutz, Gestaltungssatzungen oder wenn die Dämmung an der Grundstücksgrenze in den Abstand zum Nachbarn ragt, sind Genehmigungen oder Absprachen nötig. Fragen Sie im Zweifel beim Bauamt nach.
Quellen
- co2online: Fassadendämmung – Vorgehen und Kosten
- BAFA: Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle
- § 36 Gebäudemodernisierungsgesetz: Änderung von Außenbauteilen
- Anlage 7 GModG: Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten
- § 35c EStG
Stand: Oktober 2026. Preise sind Richtwerte. Dieser Artikel ersetzt keine Energie- oder Bauberatung.