Solarthermie oder Photovoltaik? Kosten, Ertrag und Förderung im Vergleich

Solarthermie und Photovoltaik nutzen beide die Sonne, liefern aber etwas anderes: Solarthermie-Kollektoren erwärmen Wasser für Dusche und Heizung, Photovoltaikmodule erzeugen Strom. Pro Quadratmeter bringt Solarthermie mehr Energie, Photovoltaik ist dafür vielseitiger, weil Strom im Haushalt, im Elektroauto oder in einer Wärmepumpe genutzt und Überschuss ins Netz eingespeist werden kann. Welche Lösung besser passt, hängt vor allem von Ihrer Heizung, Ihrem Dach und Ihren Plänen für die nächsten Jahre ab.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ertrag pro m²: Solarthermie liefert laut Verbraucherzentrale rund 300 bis 400 kWh Wärme pro m² und Jahr, Photovoltaik etwa 900 kWh Strom pro kWp bei 5 bis 7 m² Fläche je kWp.
  • Kosten Solarthermie: Nachrüstung nur für Warmwasser ca. 6.000 bis 10.000 €, mit Heizungsunterstützung ca. 9.000 bis 17.000 € (Verbraucherzentrale).
  • Kosten Photovoltaik: im Schnitt rund 1.400 bis 2.100 € pro kWp ohne Speicher, je nach Anlagengröße.
  • Förderung: Solarthermie über die KfW-Heizungsförderung (458) mit 30 % Grundförderung plus mögliche Boni; Photovoltaik ohne Zuschuss, aber mit 0 % Mehrwertsteuer.
  • Faustregel: Wer eine Wärmepumpe hat oder plant, fährt meist mit Photovoltaik besser; bei einer Heizung, die weiter mit Öl, Gas oder Holz läuft, kann Solarthermie sinnvoll sein.

So funktionieren die beiden Techniken

Solarthermie: In den Kollektoren auf dem Dach zirkuliert eine Wärmeträgerflüssigkeit. Sie nimmt die Sonnenwärme auf und gibt sie über einen Wärmetauscher an einen Speicher im Haus ab. Reicht die Sonne nicht, heizt der vorhandene Kessel nach. Es gibt zwei Ausbaustufen: Anlagen nur für das Warmwasser und Kombianlagen, die zusätzlich die Heizung unterstützen.

Photovoltaik: Die Module wandeln Licht in Gleichstrom um, ein Wechselrichter macht daraus Wechselstrom für den Haushalt. Was Sie nicht selbst verbrauchen, fließt ins Netz und wird nach dem EEG vergütet. Wie viel eine Anlage auf Ihrem Dach erzeugt, können Sie mit dem Ratgeber PV-Ertrag berechnen abschätzen.

Vergleich in Zahlen

SolarthermiePhotovoltaik
ErzeugtWärme (Warmwasser, ggf. Heizung)Strom
Ertragca. 400 kWh/m² (nur Warmwasser), ca. 300 kWh/m² (mit Heizung)ca. 900 kWh pro kWp, 5–7 m² je kWp
Typische Fläche Einfamilienhaus3–6 m² (Warmwasser), 9–20 m² (Kombianlage)je nach Dachfläche und Leistung
Kosten (Richtwert)6.000–10.000 € bzw. 9.000–17.000 €ca. 1.010–2.090 € pro kWp ohne Speicher
DeckungsanteilWarmwasser bis zu 60–70 %, Heizung ca. 20–30 %Eigenverbrauch ohne Speicher ca. 20–30 % des Solarstroms
Überschussim Sommer kaum nutzbarEinspeisung gegen Vergütung
FörderungKfW 458: 30 % Grundförderung plus Bonikein Zuschuss, 0 % MwSt., KfW-Kredit 270
Quellen: Verbraucherzentrale, co2online, KfW. Stand: Oktober 2026.

Die Verbraucherzentrale stellt fest, dass der Energieertrag je Quadratmeter bei Solarthermie höher ist als bei Photovoltaik. Bei rund 900 kWh pro kWp und 5 bis 7 m² Modulfläche ergeben sich für Photovoltaik rechnerisch etwa 130 bis 180 kWh Strom pro m². Strom ist allerdings die vielseitigere Energieform: Eine Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Strom ein Mehrfaches an Wärme, und Überschüsse lassen sich verkaufen. Überschüssige Solarwärme im Sommer dagegen kann eine Solarthermieanlage meist nicht nutzen.

Was Solarthermie kostet und bringt

Die Verbraucherzentrale nennt für die Nachrüstung im Altbau (Stand 2025) rund 6.000 bis 10.000 Euro für eine reine Warmwasseranlage und rund 9.000 bis 17.000 Euro für eine Anlage mit Heizungsunterstützung. Eine Warmwasseranlage hat 3 bis 6 m² Kollektorfläche und einen Speicher mit 250 bis 350 Litern, eine Kombianlage 9 bis 20 m² und 500 bis 1.500 Liter Speicher. co2online beziffert Flachkollektoren auf 300 bis 500 Euro pro m², Vakuumröhrenkollektoren auf 600 bis 800 Euro pro m², und setzt für Strom, Wartung und Versicherung 100 bis 200 Euro pro Jahr an.

Eine Warmwasseranlage kann im Jahresmittel bis zu 60 Prozent (Energieberatung der Verbraucherzentrale, co2online) bzw. bis zu 70 Prozent (Verbraucherzentrale) des Warmwassers decken. Im Sommer kann der Heizkessel dann oft ganz aus bleiben. Eine Kombianlage deckt laut Energieberatung der Verbraucherzentrale etwa 25 Prozent des gesamten Wärmebedarfs, co2online nennt 20 bis 30 Prozent. Wie Sie den Warmwasserverbrauch zusätzlich senken, steht im Ratgeber Warmwasser sparen.

Was Photovoltaik kostet und bringt

Die Verbraucherzentrale hat Angebote aus dem Zeitraum Januar 2025 bis August 2026 ausgewertet. Ohne Speicher lagen die Durchschnittspreise bei 2.090 Euro pro kWp für Anlagen mit 4 bis 6 kWp, bei 1.410 Euro pro kWp für 9 bis 10 kWp und bei 1.010 Euro pro kWp für Anlagen über 16 kWp. Größere Anlagen sind pro kWp also deutlich günstiger. Ausführlich: Photovoltaik Kosten.

Ein Vier-Personen-Haushalt mit einer 5-kWp-Anlage nutzt laut Verbraucherzentrale etwa 20 bis 30 Prozent des Solarstroms selbst, mit Batteriespeicher 50 bis 60 Prozent. Der Rest wird eingespeist. Für Anlagen auf Gebäuden bis 10 kW mit Inbetriebnahme bis 31. Dezember 2026 zahlt der Netzbetreiber bei Teileinspeisung 7,70 Cent pro kWh (Bundesnetzagentur). Selbst genutzter Strom ersetzt dagegen Netzstrom für rund 37 Cent pro kWh (BDEW, Haushaltsstrom 2026).

Rechenbeispiel: Warmwasser-Solarthermie gegen 5-kWp-Photovoltaik

Angenommene Werte: Vier-Personen-Haushalt mit Gasheizung. Für Warmwasser werden 3.000 kWh Wärme pro Jahr benötigt, der Kessel braucht dafür rund 2.000 kWh Gas für den solar gedeckten Anteil (60 % Deckung, Kesselverluste grob eingerechnet). Gaspreis 11,93 ct/kWh (BDEW, Einfamilienhaus 2026), Strompreis 37 ct/kWh. Die Solarthermieanlage kostet 6.000 €, abzüglich 30 % KfW-Grundförderung 4.200 €. Die PV-Anlage hat 5 kWp, kostet 5 × 2.090 € = 10.450 € und erzeugt 4.500 kWh, davon 25 % Eigenverbrauch.

Solarthermie (Warmwasser)Photovoltaik 5 kWp
Investition nach Förderung4.200 €10.450 €
Ersparnis bzw. Erlös pro Jahr2.000 kWh Gas × 11,93 ct ≈ 239 €1.125 kWh × 37 ct ≈ 416 € + 3.375 kWh × 7,70 ct ≈ 260 €
Betriebskosten pro Jahrca. 100 € (co2online)nicht eingerechnet
Vorteil pro Jahrca. 139 €ca. 676 €
Rechnerische Amortisation (ohne Preisänderungen)ca. 30 Jahreca. 15 Jahre
Vereinfachte Beispielrechnung mit angenommenen Werten, ohne Zinsen, Preissteigerungen und Ersatzinvestitionen. Stand: Oktober 2026.

Im Beispiel schneidet Photovoltaik deutlich besser ab, weil selbst genutzter Strom teurer ist als eingespartes Gas. Das Bild verschiebt sich, wenn Warmwasser bisher elektrisch erzeugt wird, wenn die Heizung teuer arbeitet (etwa ein alter Ölkessel) oder wenn Sie Anspruch auf einen KfW-Bonus haben. Rechnen Sie deshalb mit Ihren eigenen Verbrauchs- und Angebotswerten.

Förderung: unterschiedliche Wege

Solarthermie gehört zu den förderfähigen Heizungsanlagen der KfW-Heizungsförderung 458. Laut dem seit 24. September 2026 gültigen Merkblatt beträgt die Grundförderung 30 Prozent. Selbstnutzende Eigentümer mit einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen bis 50.000 Euro erhalten einen Einkommensbonus von 10 bis 40 Prozent (mit Kind steigen die Grenzen um 10.000 Euro). Der Klimageschwindigkeitsbonus von 16 Prozent ist an den Austausch einer alten Öl-, Kohle- oder Nachtspeicherheizung, einer Gasetagenheizung oder einer mindestens 20 Jahre alten Gas- oder Biomasseheizung geknüpft. Insgesamt sind höchstens 70 Prozent möglich, bei geringem Einkommen 80 Prozent; die förderfähigen Kosten sind für die erste Wohneinheit auf 28.000 Euro begrenzt. Wichtig: Sie brauchen vor dem Antrag einen Liefer- und Leistungsvertrag mit aufschiebender oder auflösender Bedingung. Alle Details stehen im Ratgeber Heizungsförderung.

Photovoltaik erhält keinen Zuschuss aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude. Dafür gilt für Module, Wechselrichter und Speicher bei Anlagen auf oder an Wohngebäuden ein Mehrwertsteuersatz von 0 Prozent (§ 12 Abs. 3 UStG); bis 30 kWp laut Marktstammdatenregister gelten die Voraussetzungen als erfüllt. Finanzieren lässt sich die Anlage mit dem KfW-Kredit 270. Mehr unter Photovoltaik-Förderung.

Wann was passt

  • Wärmepumpe vorhanden oder geplant: Photovoltaik ist meist die bessere Wahl, weil der Solarstrom auch die Wärmepumpe versorgt. Solarthermie kann die Wärmepumpe im Sommer zwar entlasten, konkurriert aber um dieselbe Dachfläche.
  • Heizung bleibt vorerst Öl, Gas oder Holz: Solarthermie für das Warmwasser kann den Brennstoffverbrauch im Sommer deutlich senken; sie ist zudem förderfähig.
  • Kleines Dach: Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich auf die Flächenkonkurrenz hin. Hier lohnt ein Vergleich, welche Technik den größeren Nutzen pro Quadratmeter für Ihren Haushalt bringt.
  • Großes Dach: Beides ist möglich. Eine kleine Warmwasser-Solarthermie belegt nur wenige Quadratmeter.
  • Elektroauto oder hoher Stromverbrauch: spricht für Photovoltaik.

Alternativen und Kombinationen

Warmwasser-Wärmepumpe mit Photovoltaik: Statt Kollektoren erwärmt eine kleine Wärmepumpe das Trinkwasser, angetrieben mit Solarstrom. co2online nennt Gesamtkosten von etwa 1.300 bis 5.000 Euro; mit einer PV-Anlage lasse sich der Eigenverbrauch deutlich steigern.

PVT-Kollektoren erzeugen Strom und Wärme auf derselben Fläche. Laut co2online kosten sie 250 bis 900 Euro pro m², für ein Einfamilienhaus 6.000 bis 14.000 Euro; die Wärmeerträge liegen in der Regel deutlich unter denen klassischer Solarthermie. Häufig dienen sie als Wärmequelle für eine Wärmepumpe. Gefördert wird nur der thermische Teil.

Häufige Fehler

  • Nur den Ertrag pro Quadratmeter vergleichen, nicht den Wert der erzeugten Energie.
  • Eine Kombianlage für die Heizung planen, obwohl in wenigen Jahren ohnehin eine Wärmepumpe kommen soll.
  • Den Auftrag für die Solarthermie unterschreiben, bevor der KfW-Antrag gestellt ist (ohne Vertrag unter Förderbedingung).
  • Die Dachfläche für eine kleine Solarthermie belegen und dadurch die PV-Anlage später zu klein planen müssen.
  • Betriebskosten und Speicherverluste der Solarthermie außer Acht lassen.

Häufige Fragen

Kann ich Solarthermie und Photovoltaik kombinieren?

Ja, wenn das Dach groß genug ist. Eine Warmwasser-Solarthermie braucht nur 3 bis 6 m², der Rest kann mit PV-Modulen belegt werden. Auf kleinen Dächern besteht dagegen Flächenkonkurrenz.

Lohnt sich Solarthermie mit einer Wärmepumpe?

Technisch ist das möglich: Im Sommer kann die Wärmepumpe laut Verbraucherzentrale ausgeschaltet bleiben. Wirtschaftlich ist Photovoltaik meist naheliegender, weil ihr Strom die Wärmepumpe ganzjährig mitversorgen und Überschüsse ins Netz abgeben kann.

Wird Photovoltaik vom BAFA oder von der KfW bezuschusst?

Nein, einen Bundeszuschuss gibt es nicht. Vorteile sind die 0 % Mehrwertsteuer, die Einspeisevergütung und der KfW-Kredit 270. Manche Länder und Kommunen haben eigene Programme.

Wie viel Warmwasser schafft eine Solarthermieanlage im Winter?

Deutlich weniger als im Sommer. Die genannten 60 bis 70 Prozent sind ein Jahresmittel: Im Sommer deckt die Anlage oft fast alles, im Winter heizt der Kessel überwiegend nach.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Das Rechenbeispiel beruht auf angenommenen Werten und vereinfachten Annahmen. Maßgeblich sind die Angebote Ihres Fachbetriebs und die aktuellen Förderbedingungen der KfW. Dieser Artikel ersetzt keine Energieberatung.